Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Veranstalterin Ana Maria Mu·oz hatte eine Modenschau mit eigenen Kreationen auf die Beine gestellt und war an dem Abend im Glockenhaus auch als Tänzerin zu erleben. Foto: t&w
Veranstalterin Ana Maria Mu·oz hatte eine Modenschau mit eigenen Kreationen auf die Beine gestellt und war an dem Abend im Glockenhaus auch als Tänzerin zu erleben. Foto: t&w

Lyrik, Mode, Musik und Tanz

hjr Lüneburg. Unrecht fegte manche Völker von der Landkarte. Einige trotzten den Besatzern. Die Überlebenden brutaler Genozide fristeten oft ein kärgliches Leben. Ihre Nachkommen haben es kaum leichter, werden bis heute in Reservaten mehr geduldet als geschätzt. So geht es den Mapuche, sie zählen zur indigenen Bevölkerung in Südamerika. Der Name ihrer Sprache, Mapudungun, impliziert tiefe Erdverbundenheit. Sie widersetzten sich einst den Spaniern und kämpfen aktuell gegen ein großes Kraftwerk, das ein chilenisches Konsortium auf ihrem Territorium errichten möchte. Da braucht es Solidarität.

Die Lüneburger Gruppe „Alltagskultur“ veranstaltete einen Informationstag unter dem Titel „Brot und Frieden“, dessen Finale im Glockenhaus stattfand. Ana Maria Munoz und Kurt Bader gehören zu den Initiatoren der Unterstützungsaktion.

Herzensangelegenheit und politisches Statement: Zwei Gedichte öffneten den philosophischen Kontext, verwiesen auf die ungerechte Verteilung von Besitz, die Klüfte zwischen den Ländern des Südens und Nordens, globalisierte Wirtschaftsdiktate und entsprechende Begierden. Komprimierte Kritik an der Gegenwart, von Joscha Blachnitzky am Klavier begleitet. Die sozialen Spannungen können, so der Text, vermindert werden. Ein anrührendes Plädoyer, das den Hintergrund von „Brot und Frieden“ auf den Punkt brachte.

Interesse an den Mapuche wollte die Veranstaltung wecken und als karikativen Akzent den Erlös der verschiedenen Programmbeiträge für ein wichtiges Schulvorhaben vor Ort zuführen. Musikinstrumente sollen davon erworben werden. Eine Chance, um die bedrohte Kultur zu bewahren. Gerade Musik spielt in den Traditionen der Mapuche eine große Rolle. Auch im mäßig besuchten Glockenhaus standen Klänge im Mittelpunkt. Eine „Carmen“-Version des Balletstudios Nina Stuwe bereicherte den Abend, ebenso Choreografien von Roberto Barcena, dessen Tanz-Szene „Launidimencionalidadteknica“ das Beziehungsgeflecht zwischen Mensch und Welt mit sakralem Bezug visualisierte.

Armut und Reichtum, Mangel- und Verschwendungsgesellschaft, diese Kontraste führten drei Modeschauen anschaulich vor: Kostüme aus Müll, mit reichlich Fantasie gestaltet und in raffinierter Performance präsentiert, setzten ein weiteres Zeichen, das nachdenklich stimmen und Diskussionen anregen sollte. Mit viel Engagement waren die Akteure bei der Sache und weckten die gewünschte Neugierde an einem indigenen Volk, das in Europa einstweilen noch keinen Platz im öffentlichen Bewusstsein bekommen hat.