Aktuell
Home | Kultur Lokal | Große Oper ganz nah
Kristin Darragh und Karl Schneider singen und spielen das unglückliche Liebespaar. Foto: theater/tamme
Kristin Darragh und Karl Schneider singen und spielen das unglückliche Liebespaar. Foto: theater/tamme

Große Oper ganz nah

oc Lüneburg. Weihnachten ist ja nicht nur eine Zeit der Seligkeit. Wenn sich die Welt in Friede, Freude, Pfefferkuchen ergeht, spüren alle, die im Schatten sind, ihr Leid nur doppelt. Auch Goethes Werther bringt sein Liebeselend bekanntlich zur Weihnachtszeit zum tödlichen Ende. Das Buch, das eine Welle von Suiziden auslöste, bekam viele Fassungen, zu den berühmtesten zählt Jules Massenets Oper „Werther“. Sie kommt morgen, Donnerstag, in einer Konzentratfassung ins Theater Lüneburg, ins T.3. Thomas Dorsch (Musik) und Friedrich von Mansberg (Regie) haben das Werk auf den Kern reduziert – „wir bieten große Oper ganz nah an den Leuten“, sagt von Mansberg.

Massenet hatte 1892 ein üppiges Werk geschaffen, mit vielen Figuren und Nebensträngen. Im T.3 gibt es nun eine verdichtete Fassung für vier Sänger bzw. für Werther, Charlotte, ihren Verlobten Albert und ihre Schwester Sophie. Das Orchester, im Original mit mehr als 50 Musikern unterwegs, kommt in der Dorsch-Fassung mit 16 Musikern aus. Oper „light“ wird es trotz aller Striche nicht. Alle großen Arien, anders gesagt „die ungebremste Emotionalität“ (von Mansberg), bleiben erhalten, für die Sänger ist das in der Dichte eine besondere Herausforderung. Das sind Karl Schneider (Werther) und Kristin Darragh (Charlotte) aus dem Ensemble. Aus Mannheim kommt Barbara Emilia Schedel (Sophie) hinzu, sie singt zum ersten Mal in Lüneburg. Christian Oldenburg (Albert) war unter anderem als Hans Scholl in der „Weißen Rose“ zu Gast.

Aufgebrochen wird der Zuschauerraum des T.3, ein Teil des Publikums wird nicht auf der Tribüne sitzen, diese wiederum dient auch als Bühne. Das „Werther“-Konzentrat auf rund 90 Minuten wird sich auch in der Ausstattung von Christiane Becker spiegeln: Der Raum wird schwarzweiß gehalten, die Kostüme bleiben historisch. Die Premiere morgen ist ausverkauft, die nächste Vorstellung folgt am Dienstag, 17. Dezember. Die Produktion ist für Theaterbesucher ab 14 Jahre gedacht.