Aktuell
Home | Kultur Lokal | Der Schrecken endet nie
Bei den Proben: Ulrike Gronow und Thorsten Dara spielen das Ehepaar, das Besuch bekommt und darüber die mühsam aufrechterhaltene Balance verliert. Foto: be
Bei den Proben: Ulrike Gronow und Thorsten Dara spielen das Ehepaar, das Besuch bekommt und darüber die mühsam aufrechterhaltene Balance verliert. Foto: be

Der Schrecken endet nie

ff Lüneburg. Roberto Miranda ist Arzt und ein netter Mensch. Er hat Gerardo Escobar nachts bei einer Autopanne geholfen. Zum Dank lädt dieser ihn nun in sein Sommerhäuschen ein. Für Gerardos Frau Paulina aber ist der Gast der pure Horror. Sie wurde einst verschleppt und gefoltert, hat ihren Peiniger nie zu Gesicht bekommen. Nun spürt sie mit allen Fasern ihres Körpers: Dieser freundliche, symphatische Herr ist der Täter. „Der Tod und das Mädchen“ heißt das Drama, das sich um Diktatur und die Folgen der Tyrannei für das Individuum dreht, zugleich eine Dreiecksgeschichte erzählt. Es feiert am Sonnabend, 14. Dezember, um 20 Uhr Premiere im T.NT des Theaters.

Eigentlich spielt Ariel Dorfmans Stück „,Der Tod und das Mädchen“, 1991 uraufgeführt, in einem lateinamerikanischen Staat — wohl in Chile. Hier war gerade die Diktatur Pinochets überwunden worden, aber der Wechsel der Regierung und die Umwandlung des Landes in eine Demokratie hatte nicht automatisch alle Wunden geheilt. Roman Polanski verfilmte die Geschichte — „ein echter Thriller, ein guter Film“, sagt Thomas Ladwig. Als Theaterregisseur möchte er dem Drama nun ein paar zusätzliche Facetten geben.

Gerardo Escobar arbeitet als Anwalt daran, die junge Demokratie zu stützen. Solche Hilfe braucht auch seine von den Misshandlungen traumatisierte Frau. Die Liebe und die relative Sicherheit der Gegenwart können nicht alle Schmerzen betäuben. „Wir arbeiten intensiv daran, die Eheleute zu zeichnen“, so Thomas Ladwig, „wir haben es hier mit drei reichen Figuren zu tun.“

Es geht Thomas Ladwig auch um das normale Miteinander und um die Belastungen, die jede Beziehung aushalten muss. Vor allem aber geht es um die Extremsituation, um Folter, die von der Gesellschaft geduldet wird: „Zu unseren ersten Proben habe ich Artikel über Magnus Gaefgen mitgebracht.“ Das ist der Entführer und Kindsmörder, der das Versteck seines Opfers erst verriet, als ihm ein Ermittler mit „Schmerzen“ drohte. Der Fall hatte Debatten über Rechtsstaatlichkeit und eine Welle der Solidarität mit dem Polizisten ausgelöst.

Thomas Ladwig verspricht einen Krimi, eine spannende Inszenierung, „im Idealfall einen Abend mit einigen Wendungen, an dem die Sympathien des Publikums für die Akteure auch mal wechseln.“ Nach Lüneburg geht der gebürtige Essener (Jahrgang 1981), der ausschließlich als freier Regisseur arbeitet, nach Münster. Dort ist er für die deutsche Erstaufführung von Alan Ayckbourns Komödie „Bürgerwehr“ zuständig.

Jetzt aber: „Der Tod und das Mädchen“, es spielen Ulrike Gronow, Thorsten Dara (Gerardo) und Matthias Herrmann, Barbara Bloch schuf das Bühnenbild und die Kostüme.