Dienstag , 27. September 2016
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Deutlich unscharf: Eine Raum-Installation über das Wesen der Spiegelung. Foto: ff
Deutlich unscharf: Eine Raum-Installation über das Wesen der Spiegelung. Foto: ff

Der Knacks im Tischtennisball

ff Tosterglope. Zu sehen ist ein Film, in dem mit einem leicht angeknacksten Tischtennisball gespielt wird. Ein Zimmer, in dem Wassertröge stehen und Handspiegel von der Decke hängen. Ein anderes, in dem ein Konzertflügel steht, der mit allerhand Papier und Plastik präpariert ist. Ein Gästebuch, dessen Seiten so blütenweiß sind wie das ganze Zimmer drumherum. Dies alles hat seinen Charme, vor allem aber lässt sich darüber reden und manches, wie bei dem Klavier, auch mal antesten. Nicht um die Kunst an sich, sondern um ihre Vermittlung dreht sich die aktuelle Ausstellung „Oberwasser II“ im Kunstraum Tosterglope.

Der Tischtennsiball knackst, wenn er auf die kaputte Stelle trifft. In dem Wasser- und Spiegel-Zimmer begegnet der Betrachter seinem Gesicht in verschiedenen Verzerrungen. Fehler, Verwerfungen — was makellos ist, führt wohl zu stummer Begeisterung, die Irritation aber zur Auseinandersetzung.

Das weiße Zimmer ist nicht mehr unberührt, wenn man hineintritt, um das Gästebuch zu betrachten. In einem anderen haben Schüler/innen Luftballons mit einer Teigschicht überzogen. Sie ist erstarrt, aber die Ballons schrumpeln, das ganze Gebilde zerfällt und bekommt nun eine eigene morbide Schönheit. Das Herummatschen hat bestimmt Spaß gemacht, auch darum geht es.

Kunst kann eine sinnliche Erfahrung sein, oder auch nur ein reiner Denkprozess. In diesem Spektrum bewegen sich seit annähernd zehn Jahren die Aktionen, mit denen der Kunstraum Tosterglope für Kinder und Jugendliche der Region zum Zentrum geworden ist.

Für ihre Kunstvermittlungs-Projekte bekamen Stefanie Schmoeckel und Johannes Kimstedt den Bundespreis Kulturelle Bildung 2012. Das Preisgeld wurde in die Dokumentation „Rohes Ei im Vorbeiflug“ (Untertitel: „Eine Methode zur gemeinsamen Überraschung“) gesteckt. „Im Grunde ein Rezeptbuch“, so Johannes Kimstedt, nur dass die Gerichte etwa „Unschärfe“, „Reihen und Serien“ oder „Spielfelder“ heißen – Anleitungen zum Heranführen an die Kunst in Theorie und Praxis, ein opulenter Bildband mit Beiträgen von Praktikern und einigen wissenschaftlichen Begleittexten. (Athena Verlag, Großformat, 252 Seiten, 27 Euro).

Die Ausstellung „Oberwasser II“ (Im alten Dorfe 7) ist noch am 14./15 Dezember von 14 bis 18 Uhr geöffnet, am Sonntag beginnt um 15 Uhr als Finissage ein Abschlussgespräch.