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Turbulent geht es zu auf der Bühne des theaters im e.novum. Dort hat das Kinderensemble I einen Mark-Twain-Klassiker einstudiert. Foto: t&w
Turbulent geht es zu auf der Bühne des theaters im e.novum. Dort hat das Kinderensemble I einen Mark-Twain-Klassiker einstudiert. Foto: t&w

Abenteuer, die Spaß machen

sel Lüneburg. Was kann es Schöneres geben, als an einem prächtigen Sommertag den drögen Holzzaun von Tante Polly zu streichen? Tom Sawyer gelingt es jedenfalls, Kindern aus seiner Kleinstadt diese stupide Arbeit als einmalige Herausforderung anzupreisen – und er kassiert dafür sogar noch reichlich. In punkto Liebe braucht das charmante Kerlchen allerdings noch Nachhilfe und Schliff. „Magst du Ratten?“, fragt er seine angebetete Becky. Die zeigt wenig Begeisterung für die kleinen Nager. „Nein“, will Tom sie beruhigen, „ich meine doch tote Ratten, die man an einer Schnur über den Kopf schwingen kann.“ Na denn.

Mit dem Klassiker „Die Abenteuer des Tom Sawyer Huckleberry Finn“ präsentierte das Kinderensemble I des theaters im e.novum die letzte Premiere in diesem Jahr. 20 Nachwuchsakteure gehören dem Ensemble an, zehn von ihnen spielen die Geschichte jetzt im Dezember; im Januar wird das Stück mit den zehn anderen besetzt sein. „Liebe Eltern, Sie haben wunderbare Kinder“, lobte Regisseurin Margit Weihe ihre jungen Schauspieler.

Mit Spielfreude, Einsatz und Talent begeisterten sie alle ihr Publikum, allen voran Matz Materne, der einen ungemein vielschichtigen Tom Sawyer gibt — spitzbübisch und naiv, verliebt und zerknirscht, selbstbewusst und zaudernd, ängstlich und mutig. Und in jedem Fall glaubwürdig. Was bei dem Kinderbuchklassiker aus dem Jahre 1876 nicht einfach ist: Welches Kind freut sich heute über einen Apfel oder eine rostige Mundharmonika?

Vor 137 Jahren löste Mark Twains Buch, das erstmals keine mustergültigen Kinder zeigte, derart heftige Reaktionen aus, dass es auf dem Index landete. Das lag vor allem an der zweiten Hauptfigur, dem herumstreunenden, fluchenden und rauchenden Huckleberry Finn, den Jonas Preuße sehr charismatisch spielt.

Maria Busche überzeugt als stets besorgte, liebevolle Tante Polly. Pollys Freundin Mrs. Rogers besticht vor allem durch endloses Schwatzen und ihr Schwärmen für den Richter der Kleinstadt. Lena Schwarznecker spielt nicht nur Mrs. Rogers, sondern auch deren Tochter Amy, die vor Becky mit Tom verlobt war. Inga Donning gibt eine herrlich pubertierende Becky. Nicolas Salfner überzeugt in der Rolle als Richter Thatcher, ganz Mann von Welt und doch eher ahnungslos, und als der gestrenge und ungeliebte Dorflehrer Dobbins. Nora Klement spielt Sally und Mrs. Thatcher, die wunderbar blasiert durch die Kleinstadt promeniert und dabei auf ihren begehrten Mann von Welt achten muss. Auch Julia Saizew beweist ihr Talent zweierlei: als stets betrunkener Muff Potter, der des Mordes angeklagt wird, und als leutseliger Pfarrer, der die tot geglaubten Freunde Tom und Huck beerdigen will.

Den Bösewicht des Stückes mimt Pauline Will, sie verkörpert Indianer Joe als eine Art Italo-Western-Halbblut (in ihrer zweiten Rolle ist sie als Joe Harper zu sehen). Zwei beinahe gegensätzliche Charaktere übernimmt Fenja Günther: zum einen den unbedarften Jungen Ben, zum anderen den fiesen Doc Robinson, der ein wenig an Dr. Jekyll erinnert.

Margit Weihe ist es besonders gut gelungen, die Gleichzeitigkeit der Ereignisse auf die Bühne zu bringen. Fantastisch sind die Kostüme (Luisa Wandschneider), die Choreographie (Nicole Riemenschneider), die Musik, die perfekt passt (Ulf Man Müller), und nicht zuletzt die Bühne (Kathrin Matzak).