Dienstag , 27. September 2016
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Am Lüneburg-Programm des bundesweiten Kurzfilmtags beteiligt sich Pourya Ezzatipour mit seinem Blood Trash-Streifen. Foto: ff
Am Lüneburg-Programm des bundesweiten Kurzfilmtags beteiligt sich Pourya Ezzatipour mit seinem Blood Trash-Streifen. Foto: ff

Ein neuer Anfang

ff Lüneburg. Ein junger Mann sitzt allein in einem Zimmer und hält sich eine Pistole an die Schläfe. Er will abdrücken, schafft es nicht, reißt die Waffe wieder herunter, hält sich den Lauf in den Mund und schießt wieder nicht. Der Film ist erst ein paar Sekunden alt und die Spannungskurve eigentlich schon ganz oben. „Blood Trash“ heißt der Streifen, der in Teheran gedreht wurde und nun am Sonnabend, 21. Dezember, im Rahmen eines Kurzfilm-Abends im Lüneburger Scala-Programmkino gezeigt wird. Kinobesucher haben den Autor und Regisseur Pourya Ezzatipour möglicherweise schon kennengelernt: Er jobbt in der Scala.

Clint Eastwood und die Cohen-Brüder, Michael Haneke und vor allem Quentin Tarantino – Pourya Ezzatipour liebt kraftvolle Filme. Dem jungen Iraner, 1990 in Qom nahe Teheran geboren, war schnell klar, dass sein Beruf mit Film zu tun haben muss. Moderne iranische Autoren, Regisseure und Schauspieler, Abbas Kiarostami und Majid Majidi zum Beispiel, haben international einen guten Ruf. Allerdings werden sie daheim auch, wie aktuell der Berlinale-Gewinner Jafar Panahi, mitunter massiv unter Druck gesetzt.

Pourya Ezzatipour studierte Theaterwissenschaften und gewann im vergangenen Jahr an der Uni in Teheran auf einem Filmfestival mit „Blood Trash“ — der Titel klingt schon sehr nach Tarantino — den Publikumspreis. Das elfminütige Werk dreht sich um Gewalt in der Gesellschaft. Dialoge gibt es nicht, das Tempo des Films, der ohne Dialoge auskommt, ist hoch, die Mortalitätsquote ebenfalls, der Regisseur, der eine Nebenrolle spielt, überlebt auch nicht.

Bei seiner Dankesrede muss sich Pourya Ezzatipour wohl, wie er sagt, etwas zu deutlich für die Freiheit der Kunst und gegen Zensur durch die Regierung (noch mit Ahmadinedschad als Präsident) ausgesprochen haben. Mit dem Studium war Schluss, der Filmschaffende, der bisher drei Filme produziert hat, durfte sie nicht mehr aufführen. Er zog schließlich nach Deutschland, über Dortmund und Braunschweig nach Lüneburg.

Ein neuer Anfang also. Sprache lernen, eine Ausbildung zum Filmemacher beginnen, Kontakte knüpfen, da ist der Job in der Scala natürlich nicht schlecht. Hier sind schließlich häufig Schauspieler, Produzenten und Regisseure zu Gast. Als nächstes will Pourya Ezzatipour am 99-Sekunden-Filmfestival in Berlin teilnehmen. Der junge Künstler, der auch singt, Gitarre spielt, fotografiert und Gedichte schreibt, strahlt eine zurückhaltende Zuversicht aus: „Alle Menschen träumen, aber wie viele leben ihre Träume auch?“ Da fällt ihm ein Zitat von Quentin Tarrantino ein, der sinngemäß gesagt hat, dass nur diejenigen, die sich heftig in den Film verlieben, selbst einen guten drehen können. Nun, daran soll es nicht fehlen.

Der Kurzfilmtag am  Sonnabend, 21. Dezember, am kürzesten Tag des Jahres beginnt um 21.30 Uhr. Das Programm wurde vom „Sneak“-Team zusammengestellt.