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Die Wutz-Mütze aus dem Weihnachtsmärchen hat sich PJ Rebullida noch einmal aufgesetzt. Jetzt aber will er seinen Landsleuten helfen. Foto: t&w
Die Wutz-Mütze aus dem Weihnachtsmärchen hat sich PJ Rebullida noch einmal aufgesetzt. Jetzt aber will er seinen Landsleuten helfen. Foto: t&w

Kommt, seht, hört, helft!

oc Lüneburg. Weihnachten feiert Patrick John Rebullida heute mit Skype und Facetime und ohne Puto Bumbong. PJ, wie er kurz heißt, also Pi-Dschäi, sitzt in Lüneburg, seine Familie in Manila, da müssen Bild- und Tonkontakt genügen. Und Puto Bumbong, diese lilafarbene Kalorienbombe aus Reismehl, Butter, Kokosnuss und Zucker, die gibt es nicht in Lüneburg. In Manila darf sie Weihnachten nicht fehlen, so wenig wie Kirche, „O Tannenbaum“ auf Englisch, ein lecke“rer Braten und Geschenke, die Mitternacht ausgepackt werden. PJ, der gerade als Wutz die Kinder im Weihnachtsmärchen begeisterte, wird sich im Laufe des Abends lediglich mit Freunden treffen. Zum Jahreswechsel fliegt er dann heim. Vorher bittet der Tänzer um Hilfe für seine vom Taifun geschundene Heimat. Dafür hat PJ ein großes „ParaDiso“-Benefiz mit Künstlern des Theaters in St. Michaelis organisiert: Sonnabend, 28. Dezember, 20 Uhr.

Zwei Spielzeiten tanzte PJ Rebullida am Theater Lüneburg, dann ging er nach Oberhausen zum Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“. Das ist vorbei, der Tänzer kam zurück nach Lüneburg — „das ist meine Heimat in Deutschland“. Gut 30-mal wuselte der Tänzer als Wutz über die Bühne. Nun zieht er weiter. PJ stellt sich schnell auf Neues ein.

Künstler zum Beispiel wollte er gar nicht werden. Der heute 32-Jährige hatte Tourismus-Management studiert und stieg nach dem Diplom im Marketing einer Internetfirma ein. „Ich arbeitete einen Tag und eine Stunde“, sagt Rebullida, „dann hatte ich Langeweile.“ Er suchte mehr Intensität, mehr Leben, mehr Abenteuer, begann mit Schauspiel-Workshops, und plötzlich ging es schnell. Eine Tanzlehrerin sah ihn, organisierte ein Stipendium, „drei Jahre später war ich Profitänzer“.

Die 10000 Kilometer nach Deutschland führten ihn nach Darmstadt, dort hatte eine Freundin ein Vortanzen vermittelt. Als sie ihn in Darmstadt wollten, hatte PJ schon in Lüneburg vorgetanzt und zugesagt. Seine Ausstrahlung, seine Athletik und seine Ausdruckskraft überzeugten die Lüneburger Theatergänger, PJ fand schnell Freunde — und nun hat er wutzend noch die Kinder erobert.

PJ Rebullida ist ein ausgesprochen zugewandter, fröhlicher Mann. Aber Leid und Verwüstung, die der Taifun Haiyan über sein Land brachte, berühren ihn zutiefst. Er will helfen, er wird helfen und hat für Sonnabend ein großes Programm zusammengestellt, aus Tanz und Musik. Das Theater unterstützt ihn und auch die Michaeliskirche. Seine Kollegen treten ohne Gage auf. „Alle Menschen, die Lust haben, sollen kommen und sich einfach erfreuen. Wir nehmen keinen Eintritt, und wer nichts geben will, der muss es nicht“, sagt PJ.

Ein konkretes Ziel aber verfolgt er schon, Rebullida möchte zwei Familien helfen, möglichst mit je 500 Euro. „Zum einen geht es um die Frau, die auf mich als Kind aufpasste, und die heute mit fünf ihrer sieben Kinder in Leyte lebt, die Wohnung ist kaputt, die Schule ist kaputt.“ Zum zweiten handelt es sich um die Familie eines befreundeten Choreographen, die als Bauern auf der Insel Samar leben, die der Taifun mit der Gewalt von 350 Stundenkilometern verwüs“tete. „Von ihrem Haus blieb nur ein Waschbe“cken stehen. Sie wollen das Haus wieder aufbauen, brauchen Werkzeug.“ Kommt mehr Geld zusammen, wird es PJ Rebullida ans Rote Kreuz der Philippinen geben.

Wenn er zum neuen Jahr nach Hause kommt, werden die Menschen bei allem Leid auch nach vorn blicken. Vielleicht steht der Tannenbaum bei seiner Familie noch — er ist aus Plastik, andere gibt es nicht auf den Philippinen, dem einzigen christlichen Land auf dem Kontinent. Und vielleicht ist ja auch noch etwas Puto Bumbong übrig.