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Längs des Bauzauns zum Libeskind-Gebäude geht's zum Vamos. Foto: t&w
Längs des Bauzauns zum Libeskind-Gebäude geht's zum Vamos. Foto: t&w

Lüneburgs Ort für die Stars

oc Lüneburg. Gebaut wurde die Halle, um Soldaten für Hitlers Krieg zu drillen. Das war 1935 und die Halle Teil der Kaserne, die Lüneburg noch massiver als Soldatenstadt an die Nazis band. Heute ist die Kaserne Uni, als architektonisches Symbol für das Überwinden des Kriegerischen wächst direkt neben der Halle, die nun Vamos heißt, der Bau von Daniel Li“bes“kind. Auf das kastenförmige Vamos fallen bald die Schatten von Zink und Za“cken, und hinter seiner Zukunft stehen fette Fragezeichen. Doch aktuell ist das Vamos nicht wegzudenken aus der Stadt, es dient als Partyort und erfüllt vor allem den Charakter einer Stadthalle. Im Januar wird gefeiert: 20 Jahre Vamos.

Ein Auge auf die Halle bzw. Gebäude 26 warfen 1993 viele, aber nachdem erste Partys gefeiert wurden, „mauerten wir einen Tresen“, sagt Klaus Hoppe, und bald sorgte die normative Kraft des Faktischen dafür, dass die Halle in studentischen Betrieb kam bzw. von Campus Lüneburg e.V. gemietet wurde. Hoppe war von Beginn an dabei, heute ist der 44-Jährige Geschäftsführer der 1999 gegründeten Campus Management GmbH, alleiniger Gesellschafter: Campus e.V. Campus tummelt sich heute auf vielen Gebieten: von Studentenwohnheimen, mit denen alles begann, über das CarSharing bis zum Vamos. Als weitere Spielstätten kamen die Ritterakademie, jüngst das Bleckeder Haus hinzu. Das Vamos bleibt zentral, sorgt immer noch für gut ein Fünftel des Campus-Umsatzes.

Nicht unbedingt zur Freude des Uni-Präsidums, das gern die Hoheit über alle auf dem Campus liegenden Immobilien hätte, nicht zur Freude von Gastronomen in der Stadt, aber zur Freude des Publikums wurde das Vamos ein zentraler Ort für Lüneburg. Bis 2015 ist die Nutzung gesichert. Bisher läuft sie mietfrei, „wir erhalten die Infrastruktur und haben viel Geld investiert“, sagt Klaus Hoppe. In den frühen Vamos-Jahren gab es 1995 Konversionsmittel aus EU-Töpfen, rund 50000 Mark — für Toiletten, Lüftung, Elektrik, eine erste Bühne etc. Die heutige große Bühne plus Backstage-Raum, die Empore, die Traversen für die Technik und vieles mehr finanzierte Campus im Laufe der Jahre selbst. 2015 ist dann Miete an die Uni fällig, bis dann dürfte Klarheit herrschen, wie es um das Verhältnis Vamos/Libeskind bestellt ist.

Partys bieten andere Läden auch. Das Vamos aber wandelte sich zum Ort der Stars. Götz Alsmann, Stefan Gwildis, Annett Louisan, Silbermond, BAP, Fettes Brot, Ulrich Tukur, Jan Delay, Ina Müller, Manfred Mann’s Earth Band, Al DiMeola, Dieter Nuhr, Atze Schröder, Samy de Luxe, The Ten Tenors, Christoph Schlingensief, Sibylle Berg, Harry Rowohlt — die Liste der Künstler zwischen Comedy und Pop, Jazz und Literatur ist so lang wie prominent besetzt und wird fortgesetzt, siehe unten.

Inwieweit der Libeskind-Bau einmal zumindest das Kulturprogramm des Vamos ergänzen oder ersetzen kann, das bleibt abzuwarten. Eine mögliche Ausschreibung zur Suche eines Betreibers steht noch aus. „Wir werden uns wohl voraussichtlich bewerben“, sagt Klaus Hoppe.