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Schriftstellerin Martha Sophie Marcus schickt in ihrem neuen Roman die Heldin Brida über verwinkelte Pfade. Foto: ff
Schriftstellerin Martha Sophie Marcus schickt in ihrem neuen Roman die Heldin Brida über verwinkelte Pfade. Foto: ff

Der Albtraum aller Mütter

ff Lüneburg. Der Roman beginnt mit einem Paukenschlag, mit der legendären Lüneburger St. Ursulanacht: In den dunklen Stunden vom 21. auf den 22. Oktober 1371 eskaliert der Erbfolgekrieg um das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg in den Gassen zu einem mörderischen Kampf. In der Folge der Auseinandersetzung findet die 36-jährige Witwe Brida vor den Toren der Stadt am Wegesrand den verletzten jungen Ritter Ulrich. Sie nimmt ihn bei sich auf und pflegt ihn gesund — um dann eines Tages entsetzt festzustellen, dass ihre Tochter Ann Durt mit dem edlen, aber offensichtlich undankbaren Herrn durchgebrannt ist.

So beginnt „Das Gold der Mühle“, der fünfte historische Roman von Martha Sophie Marcus. Nach „Herrin wider Willen“ und „Salz und Asche“ (beide 2010) also wiederum eine Lüneburg-Erzählung, aber die Stadt steht nicht im Mittelpunkt. „Es ist eher ein Roadmovie“, sagt die Autorin, „die Geschichte hat viele Schauplätze“. Brida, die mit fünf Kindern in der Mühle ihres Bruders lebt, macht sich auf den Weg, das 16-jährige Mädchen wiederzufinden, und kämpft sich durch die wechselhaften Stürme des Krieges. Der Weg führt nach Wolfsburg, Ulrich und Ann Durt sind ihr immer ein paar Schritte voraus.

Der allererste Schauplatz war die (heutige) Thomasburger Wassermühle, von ihr ließ sich Martha Sophie Marcus inspirieren. Vor dem Schreiben aber steht die Recherche — über die Mechaniken von Schrotgängen und Mahlwerken, über die komplizierten Phasen der Auseinandersetzung zwischen dem welfischen Herzog Magnus Torquatus und seinem sächsischen Widersacher Albrecht aus dem Haus der Askanier, generell über die spätmittelalterliche Welt. „Zu jener Zeit“, so die Autorin, „hat es fast immer irgendwo Krieg geben“. Und die Fronten waren nicht immer so ganz klar.

Klar war Martha Sophie Marcus, dass ihre Heldin diesmal schon über ein wenig Lebenserfahrung verfügen sollte — auch wenn sie in 36 Jahren, was im 14. Jahrhundert durchaus normal war, ihre Heimatregion nie verlassen hatte: „Auf einer Lesung bin ich einmal angesprochen worden, warum meine Heldinnen denn immer so jung sein müssen.“ Da hatte Marcus die Gestalt ihrer Brida schon konzipiert — wohl wissend, dass Schriftsteller(innen) immer auch ihre eigenen Erfahrungen verarbeiten: Zu jener Zeit hatte die Tochter der Autorin, etwa so alt wie Ann Durt, eine lange und weite Reise angetreten, mit der Unterstützung der Mutter, aber die ewige Sorge bleibt natürlich.

In Gedanken ist Martha Sophie Marcus längst bei ihrem übernächsten Buch. Das Manuskript für einen modernen Frauenroman hat sie im Dezember bei ihrem Verlag (Goldmann) abgegeben. Jetzt sitzt die Erzählerin an einem Wikinger-Drama, das sich um den Niedergang von Haithabu dreht, also im 11. Jahrhundert spielt. Das wird wohl eine richtig dicke Schwarte, in der es, wie bei bei den Wikingern seinerzeit eben üblich, nicht besonders zimperlich zugeht.

Fest steht: „Das Gold der Mühle“ hat 478 Seiten und erscheint am 14. Januar. Und: Am 20. Februar stellt ihn Martha Sophie Marcus bei Lünebuch vor.