Donnerstag , 29. September 2016
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Die dünnen Jahre sind vorbei heißt das LaLeLu-Programm zur Midlife-Crisis.
Foto: t&w
Die dünnen Jahre sind vorbei heißt das LaLeLu-Programm zur Midlife-Crisis. Foto: t&w

Herbert und die Lust am Buffet ++ Mit LZplay-Video

aat Lüneburg. Eine temperamentgeladene Bühnenshow, musikalische Ideen, die ihr Talent zu aktueller Comedy, phantasievollen und umwerfend komischen Possen, Imitationen und Parodien wirksam ins rechte Licht rücken, und vor allem vier professionelle, wunderbar wandelbare Stimmen, die kein Musikinstrument benötigen: Alles zusammen ist wesentlich mehr als die Summe seiner Details, ist humorbesessenes, dabei tiefgründiges, grellbuntes, auch sich selbst persiflierendes musikalisches Kabarett. Die A-cappella-Comedy der vier LaLeLus füllte wieder einmal die Konzertscheune des Kulturforums.

Nicht erst am Ende des aktuellen Programms „Die dünnen Jahre sind vorbei“ zeigte das Publikum lautstark seine Begeisterung. LaLeLu, 1992 in Hamburg von Musikstudenten gegründet, ist mehr als nur ein Gesangsquartett. Dabei sind Tobias Hanf, Jan Melzer, Frank Valetie und seit 2008 Sanna Nyman (mit findiger Geigensolo-Parodie als David Garrets Schwester Dana) schon als A-cappella-Ensemble ein Phänomen. Die Profis surfen in Stilrichtungen der Renaissance oder der Oper ebenso kunstfertig herum wie im Musical, in der Pop- und Hip-Hop-Kultur oder der Jazz-Szene.

Obgleich sie alle mehrere Instrumente beherrschen, imitieren sie diese lieber. Sie bewegen sich tänzerisch charmant, moderieren mit Pfiff und nutzen Licht- und Dampfeffekte für ihr an Bonmots, Musik- und Schallplattenkenntnis reiches Comedy-Spektakel.

Intelligenter Humor im Klamaukmantel beißender Kritik an gesellschaftlichen und menschlichen Missständen ist das hervorstechende Markenzeichen des mittlerweile elften Abendprogramms. Der Titel „Die dünnen Jahre sind vorbei“ bezieht sich zunächst auf das Sinnfälligste: die beginnende Fettleibigkeit in der Midlife-Crisis. Ein Beispiel ist Herbert Grönemeyer, dessen Rückblick auf allerlei eigene Songs mit Hilfe von Jan Melzers glänzend gesungener Karikatur um das Leben an leckeren Buffets kreiste. Essen, das ist auch Rainer Calmunds Motto, toll imitiert von Tobias Hanf, der gleich eine komplette Talkshow auftischte: Merkel, Trittin oder Seehofer, Beckenbauer, Löw, Becker und Maffay schienen leibhaftig auf der Bühne zu diskutieren.

(Fast) alle um die 40, wissen die LaLeLus sehr wohl, was sie tun, wenn sie einzeln oder gemeinsam in verschiedene crisisgeschüttelte Rollen eines Bankers, Playboys, eines Popstars wie Heino oder eines Waschzettels einer Wudusan-Pillenpackung schlüpfen. Vielleicht, so grübeln sie, sind ihre Schauspielkünste, Witz- und Soundeffekte auch deshalb so komisch und glaubwürdig, weil sie stets sie selbst bleiben. . .

Zuletzt wurde das Publikum zum Chor umfunktioniert: Ein vierstimmiges Quodlibet erklang, herrlicher Neujahrskonzert-Nonsens.