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Ulrike Gronow (links), Thorsten Dara und Olga Prokot führen durch die Wunderwelt der Erotik. Foto: t&w
Ulrike Gronow (links), Thorsten Dara und Olga Prokot führen durch die Wunderwelt der Erotik. Foto: t&w

Frauen wollen lieber Schokolade

Der folgende Text ist frei ab 18 Jahren — eigentlich.

oc Lüneburg. Bunte Lichter blinken in die Nacht, sie locken hinein ins Warme und ins Dunkle. Unten, im Foyer des T.NT, säuseln und stöhnen sich Jane und Serge zur Hammond-Orgel von „Je t’aime“ zu „Maintenant, viens!“ Das übersetzen wir hier nicht, da errötet der Bildschirm, und dieser Text soll denn doch jugendfrei bleiben. Jane und Serge aber tun es immer wieder, in Dauerschleife und damit wesentlich länger als die 17,6 Minuten, in denen sich der Deutsche beim Liebesakt verausgabt. Und wesentlich leiser sind Jane und Serge als jene zwei Millimeter große Ruderwanze namens Micronecta scholtzi, die als lautestes Wesen in Sachen Sex gilt — im Vergleich zur Körpergröße. Ja, es war ein lehrreicher Abend in der SomnamBar, dem sonderwunderbaren Spätformat des Theaters Lüneburg, und es ging um „Erotik im Alltag“.

Als Jane und Serge endlich fertig sind, übernehmen Olga Prokot, Ulrike Gronow und Thorsten Dara. Sie haben mit Beate Weidenhammer, aber die ist jetzt leider krank, das Programm erarbeitet, Statistiken, Studien, Lyrik und Lieder gewälzt. So lernt das geneigte Publikum im ausverkauften Foyer etwas über die Bruttogeburtenziffer, bei der die Deutschen eine miese Quote haben, es erfährt, dass weltweit pro Sekunde 2778 Akte vollzogen werden, 70 Prozent der Frauen aber Schokolade mehr lieben als das Liebemachen. So geht es in die Nacht, zwischendurch schlägt sich Erste-Reihe-Bernd gut beim Quiz gegen Sexpertin Gronow. Es wird gemeinsam ein Refrain der Gruppe Ganz Schön Feist gesungen (,,Du willst immer nur ficken“), und Thorsten Dara betreibt eine — etwas bemühte — Textegese bei Springsteen, Dylan, Manilow. Beispiele für brunstreiche Lyrik werden eingestreut, aus einem Genre, in dem sich von Goethe bis Grass alles tummelt, was Lust an Wort und Liebe hat. Meist waren es Männer, die sich dem Brust-Lust-Reim hingaben. Mittlerweile ist die Sexschreiberei vorrangig zum Frauenberuf geworden, meint jedenfalls aktuell Harald Martenstein in seiner „Zeit“-Kolumne.

Es geht etwas hopplahopp hierhin und dahin im T.NT-Foyer, aber durch den Ausfall der Kollegin muss das Erotik-Spezial-Trio improvisieren. Eine gute Stunde dauert das Kabarettstückchen, dann nimmt das Publikum als Betthupferl ein Tütchen Pasta mit auf den Weg: zu Penis und Muschel geformte Teigwaren aus Hartweizengries. Guten Appetit! Die SomnamBar öffnet wieder am 27. Februar um 22 Uhr, dann geht’s ums Schnüffeln: „Mielke meets Snowden, Stasi meets Facebook“.