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Der australische Komponist Eric Griswold beteiligte sich als Pianist an dem Konzert des frantic percussion ensemble. Foto: t&w
Der australische Komponist Eric Griswold beteiligte sich als Pianist an dem Konzert des frantic percussion ensemble. Foto: t&w

Musikalische Abenteuer

hjr Lüneburg. Platz für ein ganzes Orchester benötigen die sechs Instrumentalisten. Den Flügel in der Mitte flankiert ein stattliches Schlagwerk-Aufgebot, vom Marimbaphon bis zu einer Glockenbatterie. Im ersten Stück reichte aber noch eine sparsamere Besetzung, geprägt von Trommeln und geklatschten Händen. Später wurde es komplizierter. Rhythmisch wirkt der Sound, immer markant und Finessen sind obligatorisch. Das frantic percussion ensemble spielte im Forum der gut besuchten Lüneburger Musikschule: ein Konzert mit vielen Überraschungen, klanglichen Delikatessen und garantiertem Hörvergnügen.

Das Sextett ist vor allem neugierig – auf musikalische Abenteuer, Auseinandersetzungen und Grenzgänge. Entsprechend lässt sich das Ensemble mit Lüneburger Wurzeln stilistisch nicht verorten. Da ist zum Beispiel „Pling“, von Axel Fries für gleich vier Triangeln und Becken gesetzt, ein Stück in ungewöhnlicher Formation, das sich avantgardistischer Reibungen bedient. John Cage beschritt mit „Living Room“ bereits vor Jahrzehnten kühnes Neuland. In vier Sätzen kommunizieren die Interpreten in einem imaginären Wohnzimmer mit vokalen Lauten, Zeitung, Laptop und weiteren Alltagsutensilien.

Sie mögen sich in ihren Vorträgen gern als Klangforscher verstehen, wie der Winsener Komponist Mathias Kaul, von dem frantic diverse Werke im Repertoire hat, darunter „Bell Air“, 2009 bei den Sommerlichen Musiktagen in Hitzacker uraufgeführt. Aus kurz angeschlagenen Glocken entwickeln sich Cluster und Obertöne, sphärische Lautmalerei, die ihre Inspiration im fernen Tibet haben könnte. Hervorragend, wie konzentriert die Percussionisten agieren, die oft schwierigen Vorgaben auf verblüffendem Level vitalisieren.

Jonathan Szegedi, Arne Meyer, Daniel Orthey, Gunnar Kötke, sowie David und Simon Gutfleisch bilden das Ensemble. Normalerweise gehört noch Markus Behn dazu, er war allerdings erkrankt. Seit 2006 sind sie gemeinsam aktiv, durchstreifen die einschlägige Literatur, als deren Titane John Cage und Steve Reich den Ton angeben. „Clapping Hands“ ist so ein Evergreen, der schon fast artistisches Geschick verlangt.

Einen besonderen Gast brachten die Instrumentalisten auch noch mit. Eric Griswold, australischer Komponist, hatte sein voluminöses „Concert for Prepared Piano and Percussion“ im Gepäck und übernahm selbst den Klavierpart. Ein spannender Beitrag, der vor allem bewies: Auf die Rhythmik kommt es an, die präzise erhorcht und gestaltet sein muss. Flächige Strukturen bilden den Kontrast dazu. Beides beherrscht die Formation exzellent. Ein künstlerischer Drahtseilakt, der schwer beeindruckte und zudem enormen Spaß bereitete.