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Eine Menge Blödsinn im Kopf haben Max (Marcus Billen, Mitte rechts) und Moritz (Steffen Neutze). Foto: theater/tamme
Eine Menge Blödsinn im Kopf haben Max (Marcus Billen, Mitte rechts) und Moritz (Steffen Neutze). Foto: theater/tamme

Man kann ihnen nicht böse sein

Von Silke Elsermann
Lüneburg. Langeweile kann gefährlich sein. Für andere. Vor allem, wenn es Max und Moritz sind, die nicht wissen, was tun in ihrer Freizeit. Zum Glück bietet sich Witwe Boltes tänzelndes Federvieh als willkommenes Opfer an  und landet kurze Zeit später als „Chicken Wings“ in den Bäuchen der zwei bekannten Lausbuben. Mit Tempo und Witz haben Nilufar K. Münzing und ihr Team die Kinderoper „Max und Moritz“ von Esther Hilsberg und Holger Pototzki jetzt auf die Bühne des T.3 im Lüneburger Theater gebracht. Und nach der Premiere donnernden Applaus bekommen.
Zu Recht, denn Max (Marcus Billen) und Moritz (Steffen Neutze) machen einfach Spaß, haben das junge Publikum nach fünf Minuten trotz übler Streiche auf ihrer Seite. Und nicht nur das  auch für erwachsene Zuschauer ist die kurzweilige Geschichte ein Genuss, der getragen wird von dem vierköpfigen Ensemble um Deborah Coombe.
Perfekt greift das Quartett die unbekümmerte Unverfrorenheit auf, mit der sich Max und Moritz durch ihr junges Leben gaunern, bis sie als Lebkuchenmännchen enden. Mit spielerischer Leichtigkeit verbinden die Musiker Kinderlieder und Klassik, Mozart und Musical: Deborah Coombe (Klavier und Leitung), Kathy Nierenz (Violine), Franziska Borderieux (Violoncello) und Uwe Friedrich (Klarinette).
Bevor Max und Moritz zu Korn verschrotet werden, machen sie bekanntermaßen anderen das Leben schwer  ein begnadeter Schneider (Selbsteinschätzung), ein unverzichtbarer Lehrer (Selbsteinschätzung) und eine großartige Opernsängerin (Selbsteinschätzung) gehören zu ihren Opfern. In diesen und weiteren Rollen glänzen Volker Tancke als Karl Lagerfeld alias Meister Böck, der Kultklamotten in Size Zero schneidert  in aller Bescheidenheit, versteht sich.
Einen recht eigenwilligen Pädagogen der alten Schule gibt MacKenzie Gallinger, der sich echauffiert, weil keines der Kinder im Publikum ihm die Wurzel aus 4761 nennen kann  und das ist ja von Fünfjährigen wahrhaft nicht zu viel verlangt. Herrlich divenhaft trällert sich Kirsten Patt durch die Rolle der unvergleichlichen Sopranistin  begleitet vom Kinderchor und einigen „Kakerlaken“.
In rasantem Tempo reiht sich auf der Bühne (Bühnenbild und Kostüme: Christiane Becker) ein Streich an den anderen, mal mehr, mal weniger nah am Original von Wilhelm Busch. An einigen Stellen blitzen mit „Chinaböllern“ und „The Voice of Germany“ aktuelle Bezüge auf, die sich nahtlos in die beinahe zeitlose Geschichte einfügen. Das liegt natürlich auch an dem mitreißenden Spiel von Marcus Billen, der einen  sagen wir  nicht von Bildung durchdrungenen Max spielt. Steffen „Moritz“ Neutze hat merklich mehr Grips, steht aber in Sachen Quatschmachen seinem Kumpel in nichts nach. Und irgendwie schaffen es die beiden am Ende doch zu überleben.