Mittwoch , 28. September 2016
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Sabine Gutknecht und Rainer Sievers probeln für Bremen. Sie spielen dort in den Diensten der Pipes and Drums of Royal British. Foto: ff
Sabine Gutknecht und Rainer Sievers probeln für Bremen. Sie spielen dort in den Diensten der Pipes and Drums of Royal British. Foto: ff

Bagpiper proben für ein Tattoo

ff Neetze. Zuerst erklingen der Bass und die zwei Tenöre, ein warmes Brummen aus drei hölzernen Pfeifen  und plötzlich setzt schneidend die Melodiestimme ein, hell, durchdringend: Dudelsäcke sind nichts für Weicheier. Ihr Ton überstrahlt locker eine schottische Hochebene, sie zu spielen erfordert Kraft und Präzision. Sabine Gutknecht und Rainer Sievers sind gut gerüstet, mit Kilt und der „Bagpipe“ ziehen sie heute im Dienste der „Pipes&Drums of Royal British“ nach Bremen.

Hier startet am Freitag in der Stadthalle die Musikschau der Nationen, und zwar mit einem Paukenschlag, genauer: Mit dem Einzug von rund 100 Trommlern und Dudelsackspielern aus sechs Nationen, das sind die „Royal British“, angeführt und dirigiert von Ronnie Bromhead. Der Schotte hat immerhin einmal den Titel erworben, weltbester Bagpiper zu sein  „das ist für uns eine Ehre, bei diesem Tattoo dabeisein zu dürfen“, sagt Sabine Gutknecht. Mit „Tattoo“ meint die Neetzerin natürlich keine Tätowierung, so bezeichnet die Zunft ihre Festivals. Fünf Auftritte bewältigt die Truppe in Bremen.

Angefangen hat alles Anfang der 90er-Jahre, da verspürte Rainer Sievers Lust, ein Instrument zu lernen. Etwas Ungewöhnliches sollte es sein, dieses Kriterium erfüllt der Dudelsack problemlos, er stammt übrigens nicht etwa aus Schottland, sondern aus Indien. Sabine Gutknecht wurde als Verbündete gewonnen.

Die Anordnung der Grifflöcher ähnelt einer Blockflöte; aber: Reinblasen und losspielen  das kann man als Anfänger vergessen. „Wir haben erst einmal ein Jahr auf dem practice chanter geübt, das ist eine Übungspeife“, sagt Sabine Gutknecht. ,,Später waren wir dann froh, überhaupt ein Stück lang durchzuhalten.“ Im Kern geht es darum, den Luftsack immer unter Druck zu halten, damit die Melodie- und die drei Bordun-Pfeifen tönen können. Gutknecht: „Ich habe meinen Dudelsack auch schon mal an einen Kompressor angeschlossen.“

Das ist heute kein Thema mehr. Jetzt geht es eher um die Verzierungen, die ,,grace notes“, die einen Tanz oder einen Marsch veredeln. Jedes seltene Instrument hat ein Paradestück, bei der Bouzouki ist das das Alexis-Sorbas-Thema, bei der Zither „Der dritte Mann“. Den typischen Dudelsack-Gassenhauer ,,Scotland the Brave“ können Gutknecht und Sievers nicht mehr hören, er wird auch kaum noch gespielt. Dafür haben sie „Prince George of Cambridges Welcome“ im Repertoire, von Ronnie Bromhead für den jüngsten Urenkel der Queen komponiert.

Dudelsack spielt man heutzutage auch in Jeans, aber ein bisschen Style muss für die Musikschau in Bremen schon sein: Kilt natürlich, Krawatte, Jackett und Sporran, das ist das kleine Täschchen über dem karierten Rock. Und Kniestrümpfe. In denen steckt, das ist in der blutigen schottischen Geschichte begründet, ein Messer, auch bei Gutknecht und Sievers. Ihre Tattoos gingen bisher aber alle friedlich aus.