Mittwoch , 28. September 2016
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Marion Poschmann wird vorgestellt, Prof. Dr. Sven Kramer gibt einen Einblick in Werk und Leben.
Marion Poschmann wird vorgestellt, Prof. Dr. Sven Kramer gibt einen Einblick in Werk und Leben.

Licht und Finsternis

oc Lüneburg. Die Schriftstellerin Marion Poschmann ist ein Liebling der Feuilletonisten. Ihre Bücher werden ausführlich rezensiert, sie sammelt Preise und Stipendien. Mit dem noch frischen Roman „Die Sonnenposition“ stand Poschmann auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis, sie ist nun unterwegs bei der LiteraTour Nord.

So gesehen befindet sich die 1969 in Essen geborene Autorin auf der Sonnenseite der Branche. Dass sie eine bedeutsame Autorin ist, muss zur Deutschen Presse-Agentur durchgedrungen sein. Sie kündigt beizeiten eine Lesung von Marion Posch­mann in Hannover an, die in Lüneburg und den anderen LiteraTour-Nord-Städten lässt die Agentur weg.

Nun sitzt die Autorin mal wieder im Lüneburger Heine-Haus. Dort war sie, wie Literaturbüroleiterin Kerstin Fischer sagt, 2006 als Stipendiatin, dort hat sie aus ihrer Lyrik gelesen. Als „Sprachjägerin“ bezeichnet Moderator Prof. Dr. Sven Kramer die Autorin, sie selbst spricht von „Motivketten“, die sich durch ihr aktuelles Buch ziehen. Im Mittelpunkt der „Sonnenposition“ steht Altfried Janich, ein Psychiater, der eine Stelle in den neuen Bundesländern antritt, im „Ostschloss“, in dem sich vor allem Menschen aufhalten, die über die Zeit der Wende den Kopf verloren haben, auf irgendeine groteske und traurige Weise scheiterten. Der Sog ins Dunkle erfasst Altfried, der eigentlich so etwas wie die Sonne im Leben der Patienten ist, sie kreisen halt um ihn.

Die Lyrikerin Marion Poschmann schimmert in dem Roman durch. Sie wägt spürbar jede Formulierung ab, sie konstruiert und komponiert Worte, Sätze, Kapitel und eben jene Motivketten wie die unendlich vielfältigen textlichen Spiegelungen von Licht, die sich durch das Buch ziehen. Poschmann reizt das Thema bis an den Rand aus, mit einer Genauigkeit, mit der sie auch Details seziert und ihnen eine Bild- und Symbolkraft einschreibt, die den linearen Fluss der Geschichte komplett stocken lassen, aber Quer- und Tiefenschichten aufreißen. Das macht ihre Literatur für Belesene, die lauter Bezüge wittern können und mögen, reich.

Ein lichter, geschweige denn leichter Roman ist die langsam kreisende, bei Suhrkamp erschienene „Sonnenposition“ nicht, das „Ostschloss“ bleibt kerkerartig düster. Wie die Umgebung auf die Menschen abfärbt, sie sich einverleibt, das hat Marion Poschmann schon im „Schwarzweißroman“ gezeigt. Sie wird auf dieser Spur bleiben.