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Akos Doma lebt und arbeitet drei Monate als Heine-Stipendiat in Lüneburg. Foto: ff
Akos Doma lebt und arbeitet drei Monate als Heine-Stipendiat in Lüneburg. Foto: ff

Eine charmante Gaunerkomödie

ff Lüneburg. Eigentlich sind sie ganz sympathisch: Amir, Igor, Ludovik und Ferdinand leben ebenso illegal wie einträchtig in einer Bruchbude am Stadtrand, frieren, philosophieren und schimpfen auf das Establishment. Leider ist die Stütze immer viel zu schnell aufgebraucht. Deshalb helfen die vier Lebenskünstler ab und zu mit Diebstählen und Einbrüchen nach, was ja nun keine echte Lösung ist. Eines Tages steht bei ihnen der dynamische Alleskönner Albert auf dem Hof, er schafft es tatsächlich, die Totalverweigerer für ehrliche Arbeit zu motivieren  vorerst zumindest. So beginnt der Roman „Die allgemeine Tauglichkeit“, Akos Doma stellt ihn am Dienstag, 28. Januar, um 20 Uhr im Heine-Haus vor.

Dort wohnt er drei Monate lang. Der promovierte Literaturwissenschaftler, 1963 in Budapest geboren, 1972 nach England und sechs Jahre später nach Deutschland emigriert, ist der aktuelle Heine-Stipendiat. Eigentlich lebt der Autor mit seiner Familie im  ebenfalls recht idyllischen  bayerischen Eichstätt, nun also für drei Monate Lüneburg. Akos Doma kennt die Stadt schon, er war 2006 Stipendiat in Lauenburg und zog ein wenig herum, „da habe ich mich schon in Lüneburg verliebt.“ Diesmal wird er von seinem Umfeld allerdings weniger mitbekommen. Der Autor, der auch als Übersetzer arbeitet und fünf Jahre lang an der Uni lehrte, will vor allem an seinem neuen Roman schreiben.

Das kann dauern. Sein Debüt „Der Müßiggänger“ erschien 2001  „von der Erzählung gab es fünf oder sechs fertige Fassungen“, so Akos Doma, keine genügte seinen Ansprüchen, im Gegenteil: ,,Ich war entsetzt!“ Diese Feinfühligkeit, die Suche nach der besten Form, die ihm als Übersetzer schon einige Preise einbrachte, kann eben auch mal etwas lästig sein. „Jeder Stoff“, so Doma, „verlangt nach einer bestimmten Darstellungsweise.“ Die „Tauglichkeit“ (2011) verortet Doma im „Realismus, der manchmal abkippt“  eine charmante Gaunerkomödie mit melancholisch-romantischen Zwischentönen, skurrilen Intermezzi und einem eher offenen Schluss, an dem er ,,lange herumgeschrieben“ hat. Das neue, noch fragmentarische Manuskript ist wohl nicht so lustig, es geht um die Flucht einer Familie aus Ungarn, was autobiographische Elemente erahnen lässt, und um Aufnahmelager für Flüchtlinge.

Dass sein Leben und das Schreiben unmittelbar zusammenhängen, war Akos Doma eigentlich schon immer klar. Als Junge verschlang er die von der ungarischen Regierung geduldeten Romane von Jules Verne und Karl May, er hat sie von der ersten bis zur letzten Seite gefressen  und nicht, wie in dem Alter meist üblich, die Landschaftsbeschreibungen übersprungen. „Das ist schon eine Manie, aber ich muss Romane einfach bis zum Ende lesen“, Ausnahmen bestätigen die Regel, bei dem Epos „Ulysses“ von James Joyce ist er dann doch beizeiten ausgestiegen.

Die von Martina Sulner moderierte Lesung am Dienstag führt auch zu einem Wiedersehen mit einem Wiener Kollegen von Akos Doma: Thomas Stangl, 2009 Stipendiat im Heine-Haus, gestaltet den anderen Teil des Abends, der also als Tandem-Lesung konzipiert ist.