Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Wie machst Du das denn? Die drei jungen Schlagzeuger Samed, Tammo und Justus (v.l.) tauschen vor ihrem, Wertungsspiel noch ein paar Technik-Tipps aus. Foto: ff
Wie machst Du das denn? Die drei jungen Schlagzeuger Samed, Tammo und Justus (v.l.) tauschen vor ihrem, Wertungsspiel noch ein paar Technik-Tipps aus. Foto: ff

Wettbewerb im Wandel

ff Lüneburg. Bis 13 Uhr sind es noch zehn Minuten, eine Ewigkeit  jedenfalls, wenn man acht oder neun Jahre alt ist und auf seinen Auftritt wartet. Tammo, Samed und Justus haben sich für den Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ angemeldet. Ihre Disziplin: Drum-Set, Solowertung. Nun lungern sie im noch leeren Studio 1 der neuen Lüneburger Musikschule um die Schlagzeuge herum. Ihr Lehrer Daniel Orthey verkürzt ihnen die Zeit mit ein paar Rhythmusübungen. Einige Räume weiter, im Studio 2, ist es dagegen schon proppevoll, hier stehen Streicher-Ensemble auf dem Programm. Das ist die Stunde des Wendlandes.

Sie kommen aus Clenze und Dangenstorf, Lüchow und Hitzacker: junge Mädchen, die alle vor allem unbedingt zu Ilka Wagener wollten, der Cello-Lehrerin der Musikschule des Landkreises Lüchow-Dannenberg. Jetzt treten sie in Trio- und Quartett-Besetzung an, um sich möglichst viele von den maximal 25 Punkten zu erspielen, vor allem aber, um Erfahrung zu sammeln, Spaß und Nervenkitzel zu spüren. Viele tragen einheitliche T-Shirts mit Aufschrift und stilisiertem Cello, die hat ihnen Stefan Voelkel gespendet. Der Fruchtsaft-Hersteller aus Höhbeck/Ortsteil Pevestorf (ein paar Kilometer hinter Gartow) schwärmt für das Violoncello und fördert den Unterricht auf der Kniegeige nach Kräften. Er habe sogar einmal vorgehabt, seine rund 200 Mitarbeiter morgens mit gemeinsamem Cello-Spiel auf den Arbeitstag einzustimmen. Das berichtet Gerd Baumgarten, Leiter des Regionalwettbewerbs Jugend musiziert. Aber das war dann wohl doch zu ambitioniert.

Rund 90 Mädchen und Jungs aus Lüneburg und den angrenzenden Landkreisen haben sich angemeldet, relativ wenige also. Auffällig: Fast alle gehören den unteren Altersgruppen an. Verschärfte Bedingungen des Acht-Jahre-Gymnasiums lassen die oberen Jahrgänge „wegbrechen“, aber es hängt wohl auch mit der zunehmenden Faszination der social networks zusammen, wie Musikpädagoge Baumgarten vermutet.

Generell befindet sich der traditionsreiche Jugend-Musikwettbewerb, der in Lüneburg bereits zum 51. Mal ausgetragen wird, im Umbruch. Klassische Instrumente wie Klavier und Violine sind als Säulen von Jugend musiziert ein wenig auf dem Rückzug. Um möglichst viele jungen Leute zu motivieren, gibt es neue Wertungen wie Pop-Gesang und eben Drum-Set. Auf Bundesebene, so Gerd Baumgarten, werde überlegt, auch Folklore-Instrumente wie Zither, Hackbrett und Baglama zuzulassen. Außerdem haben sich die Wettbewerbs-Bedingungen gändert. Nun sind auch (für ein anderes Instrument) bearbeitete Stücke zugelassen, zeitgenössische Kompositionen sind nicht mehr Pflicht, sie müssen nur noch aus zwei bis drei unterschiedlichen Epochen stammen. „Außerdem“, so Baumgarten, „ist es nun möglich, durch die neue Ordnung jedes Jahr mitzumachen.“ Wer also etwa Cello spielt, kann mal solo und mal in einer Ensemble-Wertung spielen. Die Cellist(inn)en schlugen sich durch die Bank beachtlich. Bestnoten und die Qualifikation für den Landeswettbewerb erspielten sich die Pianistin Fides Rosa Wallis aus Lüneburg und das Blockflöten-Trio Johanne Burmeister, Nora Grimmich und Lea Wantikow (Lüneburg/Südergellersen).

Übrigens: Eine Baglama ist eine dreichörige Langhalslaute, sie ähnelt der Bouzouki wie der Balaleika und stammt aus der Türkei. Es soll mittlerweile bundesweit mehr Baglamas als Geigen geben.