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Sülfmeister

Kellner mit Kodderschnauze

ff Lüneburg. Im „Blauen Peter“ herrscht einige Aufregung. Der Wirt der Hamburger Hafenkneipe ist verschwunden, der ehemalige Schiffskoch Karl Brammer hatte angeblich noch einmal angeheuert, weil da wegen seines Lokals noch ein paar Schulden abzuzahlen sind. Nun soll das Schiff untergegangen sein. Die Trauer von Brammers Witwe Mary hält sich offensichtlich in Grenzen, und auch der flotte Kellner Adrian Pott benimmt sich recht merkwürdig. „Mien Mann, de fohrt to See“ heißt die Kömödie in drei Akten, geschrieben von Wilfried Wroost, gespielt vom Ensemble der Niederdeutschen Bühne Sülfmeister; Premiere: Freitag, 31. Januar, 20 Uhr im Studio (T.NT) des Lüneburger Theaters.
„Mien Mann“ ist ein bewährtes plattdüütsches Bühnenstück, 1971 gewissermaßen zertifiziert durch Aufführungen im Hamburger Ohnsorg-Theater. In Lüneburg wird Georg Becker in seiner ersten Regie-Arbeit der Komödie möglichst viel Spaß, aber auch ein paar neue Facetten abgewinnen. Und: Es gibt ein Wiedersehen mit Stefan Schmidt, er spielt den forschen Adrian.
Schmidt, 1972 in Lüneburg geboren, war schon bei der ersten Premiere der Sülfmeister dabei, bei „Twee Kisten Rum“ 1989, als 17-Jähriger bediente er zunächst Licht- und Tontechnik; aber: ,,Wenn man drin ist, ist man drin“, sagt Schmidt, kurz darauf stand er dann auf der Bühne, als Kutscher (mit angemaltem Bart) in der „Zitronenjette“ – ,,ich wurde ins kalte Wasser geworfen, aber es hat einen Riesenspaß gemacht“. Jedes Jahr war Stefan Schmidt nun mit dabei, er spielte in „Kattenkruut und Ginsengsuut“ einen Rocker im knallengen Leder, bei „Krach um Jolante“ den Lehrer Meiners, die erste größere Rolle.
Mitte der 90er-Jahre stand Stefan Schmidt mit Heidi Kabel im Ohnsorg auf der Bühne – ein Ritterschlag für jemanden, der sich dem niederdeutschen Theater verschrieben hat. Der Charme des schlaksigen jungen Mannes, der von Haus aus gar nicht Platt spricht, gefiel nicht nur den Regisseuren, sondern bezauberte auch das Publikum. Aber Profi werden? Das war für den gelernten Kfz-Mechaniker, der heute als EDV-Mann in Hamburg arbeitet, kein Thema: „Ich brauche ein festes Standbein. Als Schauspieler umherzuziehen, das ist einfach nicht meine Welt“. Aber natürlich war er seinem Vater Jürgen Schmidt, der zu den Sülfmeister-Gründern zählt (und auch jetzt wieder dabei ist), dafür dankbar, für das Ohnsorg-Theater jederzeit nach Hamburg fahren zu können. Denn eigentlich betrieb er mit Schmidt senior damals einen Zwei-Mann-Heizungsbau-Betrieb. Später half er ab und zu bei den großen Lüneburger Theaterproduktionen aus und spielte im Kellertheater des 2011 gestorbenen Hans Jürgen Gündling.

Jetzt also arbeitet Stefan Schmidt als Kellner in einer recht kargen Kneipe im Hamburg der frühen 60er-Jahre. Das fesche Bühnen-Dienst-Jackett wird aus Wien importiert. Aber während der klassische Wiener Ober einen Ruf als arroganter Schnösel zu verteidigen hat, ist Adrian Pott alias Schmidt mehr der Hansdampf mit der Kodderschnauze, das liegt ihm sowieso: „Am liebsten spiele ich Boulevard“, sagt Stefan Schmidt, „das muss gar nicht immer alles so schrecklich in die Tiefe gehen.“

Die Premiere ist ausverkauft, ebenso die Vorstellung am 2. Februar. Die nächsten Termine: 7., 8. und 9. Februar, die Komödie steht bis 2. März auf dem Plan.