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Regine Tarara präsentiert ein - hier vergleichsweise konkretes - Künstenszenario. Generell gilt: Die Landschaft ist nur der Anlass, nicht das Ziel ihrer Malerei. Foto: ff
Regine Tarara präsentiert ein - hier vergleichsweise konkretes - Künstenszenario. Generell gilt: Die Landschaft ist nur der Anlass, nicht das Ziel ihrer Malerei. Foto: ff

Das gefühlte Mittelalter

ff Lüneburg. Eigentlich ist Regine Tarara Diplom-Designerin, genauer: Buchillustratorin. Es fällt ihr also nicht schwer, konkret zu sein, Texte in Bilder umzusetzen, Charaktere zu entwerfen, Schauplätze zu möblieren, Details auszuformulieren. Aber die Gemälde, mit denen Regine Tarara seit vielen Jahren assoziiert wird, sind ganz anders geartet: Ausgeräumte Landschaften, diffuse Szenarien, deren Herkunft gerade noch zu entschlüsseln ist. Aktuelle Beispiele zeigt die Lüneburgerin bis 21. März in der Reihe „KultUr­Sprung“ der Industrie- und Handelskammer.

„Stadt und Land“ heißt die Ausstellung, die also zwei Schwerpunkte hat. Das Land ist leer. Menschen tauchen in Regine Tararas Welten (vor allem Acryl auf Leinwand) nicht auf. Eine Horizontlinie dient der Orientierung, das muss genügen; Wasser, Küste, Feld und Wald sind auf das Wesentliche reduziert, also auf die Farbe(n), die Stimmung. Durch die Überlagerung von deckenden und lasierenden Schichten entwickeln die Mischtechniken ihre Temperatur zwischen frostigem Winterblaugrau und strahlend sommerlichem Sommerblau. Dabei geht es der Malerin auch hier nicht um die konkrete Wiedergabe, es sind eher gefühlte Farben. „Die Landschaft ist nur der Anlass“, hat Regine Tarara einmal gesagt.

Bei dem Thema Stadt wird Regine Tarara  dann doch  etwas konkreter: Es geht um Lüneburg, um prägnante Winkel der Altstadt, um Fassaden, Giebel, Portale, Fenster, um den Rhythmus der Architektur. Aber auch: um das gefühlte Mittelalter, das ein wenig aus der Wahrnehmung verschwindet. Keine Gemälde, sondern Monotypien, Ölfarbe auf geschecktes, selbst geschöpftes Papier gedruckt. Zum Abschluss werden einige Flächen homogenisiert, nachgemalt, präzisiert. Auch hier ist die Mauer nur der Anlass, es gibt pinkfarbene Fassaden und grüngraue Himmelswelten, zuweilen hat Regine Tarara auch das Herstellungsverfahren umgekehrt, also ein bereits gedrucktes Bild noch einmal wieder aufgenommen, gewissermaßen ein Negativ hergestellt. Lüneburg rückt noch einmal ein wenig in die Ferne.

Regine Tarara wurde 1954 in Windischbergerdorf geboren. Sie studierte an der FH für Gestaltung Hamburg, es folgten Arbeiten für Zeitschriften und Buchverlage. Sie war zwei Mal Stipendiumsgast im Wilke Atelier, Bremerhaven, gehört seit 1995 dem Bund Bildender Künstler Lüneburg an und wurde 2008 mit dem Dr. Hedwig Meyn Preis der Stadt Lüneburg ausgezeichnet.

Die Ausstellung wird am Dienstag, 4. Februar, um 19 Uhr eröffnet, IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert begrüßt die Gäste, zur Einführung spricht Natascha Mester.