Aktuell
Home | Kultur Lokal | Die Buddel ist immer im Einsatz
Die Brammers (Beate Meyer und Rolf Schreckenbach) haben ein Problem: Der Gastwirt muss in den Knast. Foto: tamme/theater
Die Brammers (Beate Meyer und Rolf Schreckenbach) haben ein Problem: Der Gastwirt muss in den Knast. Foto: tamme/theater

Die Buddel ist immer im Einsatz

ff Lüneburg. Es gibt einen guten Grund, nach Hamburg-Fuhlsbüttel zu fahren: der Flughafen. Es gibt auch einen schlechten: Santa Fu. Karl Brammer, Gastwirt und ehemaliger Schiffskoch, muss leider für ein Weilchen in die Justizvollzugsanstalt, er ist da in eine dumme Sache verwickelt  Zigarettenschmuggel, nichts Dramatisches, aber für den Betreiber eines seriösen Hafenlokals natürlich unmöglich. Also erzählt seine Frau Mary den Stammgästen, ihr Gatte sei zum Flughafen Fuhlsbüttel gefahren, um sich in Rotterdam noch einmal einzuschiffen. Aber Lügen haben kurze Beine, und dafür, dass aus der Notlüge die größtmögliche Katastrophe wird, dafür sorgt das Ensemble der Niederdeutschen Bühne Sülfmeister.
„Mien Mann, de fohrt to See“ heißt die plattdeutsche Komödie von Wilfried Wroost (1889-1959), die jetzt im T.NT Premiere feierte. Sie spielt eigentlich in den 50er-Jahren, wurde von Georg Becker in seinem Regie-Debüt in die Sechziger verlegt. Die Zeiten sind dennoch karg, das Wirtschaftswunder will erst erarbeitet werden. Die Brammers haben eine Würstchenbude zum Gasthaus „Blauer Peter“ ausgebaut, das kostet. So ist es durchaus glaubhaft, dass ein Koch noch einmal bei seinem früheren Kapitän anheuert. Aber ausgerechnet dessen Schiff säuft mit Mann und Maus vor der holländischen Küste ab.
Die geschäftstüchtige Mary, die ohnenhin Schlag bei den Männern hat, wird plötzlich zur begehrten Witwe. Ihre Trauer scheint sich in Grenzen zu halten, das ist schon ein wenig verdächtig. Aber steife Junggesellen sehen ihre Stunde gekommen und wandeln sich plötzlich zu unbeholfen werbenden Gockeln, wenn die schmucke Wirtin auftritt. Die bucklige Verwandtschaft dagegen wird zum Rudel Raubtiere: Weil das Gastwirtspaar kinderlos ist, wollen sie Brammer beerben.
Der Dreiakter „Mien Mann“ ist ein bewährtes Ohnsorg-Bühnenstück mit allem, was eben so dazugehört: mit Liebe und Intrige, mit einer jungen Deern und einem flotten Kellner (natürlich beide unglücklich ineinander verknallt), raffgierigen Weibern und ihren trotteligen Ehemännern, ein paar melancholischen Momenten der Wahrheit und recht rustikalem Humor, Prügel und viel Schnaps  die Buddel ist eigentlich fast immer im Einsatz, wir befinden uns schließlich in einer Kneipe.
Mit so einem Stück hat das erfahrene Sülfmeister-Ensemble keine Probleme, da sitzt jede Pointe, auch wenn sich die Zahl der überraschenden Wendungen insgesamt in Grenzen hält und das Happy End niemanden überraschen dürfte. Allen voran: Gastwirtin Mary, stets besorgt, sparsam und zielstrebig, das ist die souveräne Beate Meyer, deren lange plattdüütsche Bühnen-Geschichte nun um eine Paraderolle länger geworden ist. Im Blauen Peter regieren sowieso die Frauen, Anne Schoolmann und Regina Stahn als Hyänen, Tanja Scheele als süßes Mädel, das noch ein wenig Probleme hat, „Horsduvre“ richtig auszusprechen. Die Männer bezaubern als Pantoffelhelden: Rolf Schreckenbach, Klaus-Dieter Bossow, Jürgen Schmidt, Johannes Möddel, Michael Wieghardt, dazu Stefan Schmidt als plietscher Kellner.
Es gibt Gelächter an den richtigen Stellen, das Publikum quittiert Auftritte und Abgänge mit Applaus. Auch wenn Premieren ihre eigenen Gesetze haben, „Mien Mann“ wird ein Erfolg. Einige Abende sind bereits ausverkauft; Karten sind beispielsweise noch für die nächsten beiden Termine zu haben: Freitag/Sonnabend, 7. und 8. Februar, 20 Uhr.