Dienstag , 27. September 2016
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So in etwa könnten  nach einem Entwurf des Büros Mehring  die Probenräume aussehen, in denen künftig Bands üben. Foto: nh
So in etwa könnten  nach einem Entwurf des Büros Mehring  die Probenräume aussehen, in denen künftig Bands üben. Foto: nh

Projekt mit Modellcharakter

oc Lüneburg. Sie pflastern alte Hühnerställe mit Eierpappen, zwängen sich in schimmelige Kellerräume, zahlen für unbeheizbare Garagen Horrormieten. Es gibt kein Klischee, das nicht ein Stück Wahrheit enthält, wenn es um Übungsräume für Rockbands geht. Es geht dort laut zu und manchmal so herzhaft wie herzlich, und immer sind sie Mangelware. Jetzt startet in Lüneburg ein Projekt mit Modellcharakter, und ganz wesentlich bringt die Sache Jürgen Thiele auf den Weg.

Thiele zog einst als Roadie die Strippen für Bands wie Subway und baute mit Profi Musik eine Firma auf, die bundesweit einen sehr guten Namen für Klang und Schall besitzt. Nun also baut Jürgen Thiele Übungsräume für Bands  „ein alter Traum von mir“, sagt er. „Let´s rock“ heißt das Projekt  „around the clock“.

Auf einem Grundstück des Lüneparks  zwischen Feuerwehr und Autowaschanlage  werden voraussichtlich auf Gummipuffer Fertiggaragen gesetzt, etwa 18 Quadratmeter groß. Sie werden von einer Fertigbetondecke umspannt, die wiederum erhält ein Grasdach. Die einzelnen Räume werden über einen Flur verbunden, an eine kleine Küche, Büro, Toilette wird ebenfalls gedacht. Thiele plant das Projekt längst bis ins Detail: Der Schall aus den Räumen muss vernünftig kanalisiert sein, das ganze Projekt vandalismussicher aufgezogen werden, und wie ein Bunker soll es nicht aussehen. Thiele hat Architekt Siegfried Mehring einbezogen, klappt alles, sollen nach den Sommerferien drei bis vier Räume stehen, als erster Bauabschnitt. Das könnte heißen, vier bis acht Bands bzw. Musikgruppen welcher Richtung auch immer könnten sich einmieten. Noch ist offen, ab wann sich Bands bewerben können.

Jürgen Thiele rennt bei der Stadt offene Türen ein. Seit Jahren, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge, sei man dabei, etwas für die Bands zu suchen. Mehrere Standorte wurden geprüft und verworfen: Kulturforum, alte Musikschule, Kulturbäckerei etc. Aber Kriterien wie Stadtnähe, Lärmdämmung und ein auf Dauer tragfähiges Finanzierungsmodell finden erst jetzt zu einer Lösung, die Zukunft haben könnte. „Manche mögen das für ein Randthema halten“, sagt Mädge, „ich halte es für ein Stück Lebensqualität, da binden wir kreative Jugendliche ein.“ Unterstützung bekommt Mädge von Ulrich Völker (Grüne): „Das Projekt belebt die Szene nachhaltig“, meint der Vorsitzende des Kulturausschusses des Rates.

Für die Organisation haben Thiele und Mädge die Sparkassenstiftung ins Boot geholt. Thiele hat eine Treuhandstiftung gegründet, die von der Sparkassenstiftung verwaltet wird. Letztere erwirbt das 1900 Quadratmeter große Grundstück und stellt es Thiele im Rahmen des Erbbaurechts zur Verfügung. Der Kauf des Grundstücks ist, so Stiftungs-Geschäftsführer Carsten Junge, als Kapitalanlage zum Erhalt des Stiftungskapitals vorgesehen, so wie es auch bei städtischen Stiftungen passiert.
Alles in allem geht es bei „Let´s rock“ um Kosten in Höhe von 400000 bis 500000 Euro. Gegründet wird ein gemeinnütziger Verein, der das Probenraumprojekt organisiert. Gedacht ist möglicherweise an eine Art Azubi-Verein aus dem Kreis von Profi-Musik. „Es soll gestaffelte Mieten geben, die gut situierten Bands sollten Patenschaften für jüngere übernehmen“, sagt Jürgen Thiele. Keine Konkurrenz soll es mit dem nahe gelegenen Anti-Drogen-Projekt 1000 Steine geben, das jetzt Achim Pelz als Nachfolger des gestorbenen Bernd Loehn leitet.

Das Projekt Übungsräume wird Thema bei der Sitzung des städtischen Kulturausschusses am Freitag, 7. Februar, um 16.45 Uhr in den Dr.-von-Morgenstern-Schulen, Dorette-von-Stern-Straße. Dort geht es auch um die Kulturbäckerei.