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Regissuer Andreas Mach testet die Tribüne, die auf der Bühne steht und Publikum aufnehmen wird. Foto: t&w
Regissuer Andreas Mach testet die Tribüne, die auf der Bühne steht und Publikum aufnehmen wird. Foto: t&w

Treffen der Gutmenschen

oc Lüneburg. Es gibt einen Unterschied zwischen einem guten Menschen und einem Gutmenschen. Der erstere erntet Sympathie, der zweite nervt. Was aber ist eigentlich ein Gutmensch? „Die Definition ist so schwierig, dass Ingrid Lausund ein Stück darüber geschrieben hat“, sagt einer, der es wissen muss: Andreas Mach ist Schauspieler, Dozent und in diesem Fall Regisseur. Er inszeniert am Theater Lüneburg Lausunds Theaterhit „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“. Darin geht es mit einer großen Menge Witz, Menschenkenntnis und Abgründigkeit um political correctness und fünf Gutmenschen. Den Akteuren wird das Publikum auf die Pelle rücken. Denn die letzten Reihen des Theaters werden auf die Bühne verlegt. Das gab‘s so noch nie, das verspricht spannend zu werden am Sonnabend, 8. Februar, ab 20 Uhr.

Kennenzulernen sind fünf Menschen wie du und ich: Eva, Christine, Leo, Rainer und Eckhard. Ihnen geht es gut, sie leben im Saus und Braus des Westens – irgendwie auf Kosten der dritten Welt, was schon ein schlechtes Gewissen machen kann. Die Fünf wollen also etwas Gutes tun, eine Gala organisieren, ein Benefiz für Afrika, und schon hängen sie im Gestrüpp aus Selbstlosigkeit und Eitelkeit, Klischees und jenem undefinierbaren Gutmenschentum. Denn wie macht man das denn richtig? Die Inhalte müssen stimmen, gefühlvoll soll es sein, aber auch unterhaltsam. Holt man einen afrikanischen Chor auf die Bühne, oder ist das anbiedernd? Braucht man einen Promi? Wer darf reden und wenn ja, wie lange? Es gibt eine Menge zu bedenken und Stoff, sich in die Haare zu kriegen.

„Ingrid Lausund ist eine sehr genau beobachtende, wache, engagierte Zeitgenossin“, sagt Andreas Mach. Ihr Stück verbindet Erkenntnis und Amüsement. „Das Stück passt in keine Kategorie. Es gibt Blöcke, die muten wie Doku-Theater an, da fliegen die Fetzen, eiern die Figuren rum. Dann wieder gibt es Momente, in denen die Theatermaschinerie losrattert.“ Damit das Publikum den Eindruck hat, dabeizusein, hat Mach mit Bühnenbildnerin Barbara Bloch die Sitzordnung geändert. Publikum sitzt also vor und hinter den Akteuren, wo immer sie sich gerade bewegen. „Wir haben versucht, den Begriff des Forums auf die Bühne zu bringen“, sagt Mach. Keiner von denen, die auf der Bühne sitzen, müsse „Manschetten haben, dass er mitspielen muss.“ Das übernehmen Beate Weidenhammer, Gregor Müller, Philip Richert sowie als Gäste Kerstin Schulte Tockhaus und Martin Skoda.

Ingrid Lausund, 1965 in Ingolstadt geboren, gehört zu den erfolgreichsten zeitgenössischen Autoren für die Bühne. „Hysterikon“ und „Bandscheibenvorfall“ sind zwei weitere vielgespielte Stücke. „Benefiz“ kam 2009 erstmalig auf die Bühne. Andreas Mach schätzt die Mischung aus Humor und Intellekt, die Lausund einsetzt. Mach ist seit 1986 als Regisseur aktiv, er hat rund 40 Inszenierungen aus dem Sprechtheater auf den Weg gebracht, viele in Wiesbaden, auch in Mainz, wo er den heutigen Lüneburger Intendanten Hajo Fouquet kennenlernte.

Die Autorin ist natürlich auch irgendwie ein Gutmensch, der Regisseur ebenfalls – „ich habe ein Patenkind in Vietnam“. Und bei aller Kritik, die aus dem Witz des Stücks spricht, bleibt die Botschaft, dass es richtig ist, etwas zu tun. Gebenefizt wird auch bei „Benefiz“. Das Theater kooperiert dafür mit der Afrika-AG der Wilhelm-Raabe-Schule Lüneburg, die unter anderem die Spendenboxen für das Foyer gestaltet. Die Gelder kommen zwei Schulprojekten zugute: einem von Ingrid Lausund regelmäßig unterstützten Projekt in Guinea-Bissau und dem Partner-Projekt der Afrika-AG in Tansania.