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Solidaridad y heroismo

ff Lüneburg. „Altruismo, solidaridad y heroismo“, so steht es geschrieben, gepinselt auf die unverputzte Wand eines kleinen Gemischtwaren-Ladens in Havanna. Darüber prangt in Rot „Revolutión“, und die Unterschrift lautet: „Fidel“. Der Máximo Líder ist noch präsent in Kuba, auch wenn sich das Land und die Gesellschaft verändern  der Kommunismus verbleicht. Aber die Fassaden leuchten noch, die Lüneburgerin Bettina Eggers hat sie fotografiert. „Cuba  Farben fühlen“ heißt ihre Ausstellung, die bis Ende März im Wasserturm zu sehen ist.

Die Fotografien entstanden auf einer rund einmonatigen Rucksack-Reise kreuz und quer durch den karibischen Inselstaat, sie führte nach Havanna, Trinidad und Vinales, auch durch die Provinzen, aber die Städte stehen im Mittelpunkt, hier ist einfach am meisten Kuba zu entdecken. Bettina Eggers ist auf vertraute Motive gestoßen, die fast schon Klischees sind, aber tatsächlich die Straßen prägen: Architekturen von altmodischem Charme, schmiedeeiserne Balkons und Fenstergitter, blätternde Fassaden in Pastelltönen, vor den Kolonialgebäuden parkende Chevrolets und Cadillacs, die eigentlich ins Museum gehören. Was man nicht sehen kann: „Viele hören sich nicht so an wie die typischen Ami-Schlitten“, sagt die Fotografin, „sie haben inzwischen kleinere Motoren, Benzin ist in Kuba sehr teuer.“

Ein allzu typisches Kuba-Bild hat Bettina Eggers vermieden: Die alte Frau mit Kittelschürze und dicker Zigarre. Es gibt sie natürlich wirklich, aber viele haben sich wohl inzwischen selbst als Model für Touristen entdeckt: „Sie wollen fotografiert werden, ich bin oft auf Englisch angesprochen worden, dabei habe ich extra Spanisch gelernt“, erzählt Bettina Eggers. Wichtiger waren ihr die Menschen, von denen sie nicht beachtet wurde. Neben solchen Momentaufnahmen, die immer eine gewisse Ruhe ausstrahlen, gibt es trubelige Straßenszenen, die Städte zwischen Verfall und Optimismus zeigen, die Grenze zwischen Pracht, morbidem Charme und schlichter Armut sind fließend. Kinder kicken auf dem Marktplatz von Havanna, nicht jedes besitzt zwei Fußballschuhe. Eine bunt gekleidete junge Frau ist auf den zweiten Blick als Mann zu erkennen, der sich zu einem Paradiesvogel aufgerüscht hat  so ein Motiv gehört nun wirklich nicht zum klassischen Kuba-Bild.