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Monika Zeiner bei Lünebuch: Die Schriftstellerin mit dem höchst erfolgreichen Debütroman stellte sich auch als Sängerin vor. Foto: t&w
Monika Zeiner bei Lünebuch: Die Schriftstellerin mit dem höchst erfolgreichen Debütroman stellte sich auch als Sängerin vor. Foto: t&w

Die ewige Last mit der Liebe

ff Lüneburg. Glücklich Verliebte sind für ihre Mitmenschen kaum zu ertragen  für Schriftsteller sind sie mit ihrem albernen Geturtel schlichtweg uninteressant. Aber wie lange ist man/frau wirklich richtig verknallt? Warten, verzagen, zweifeln, sich falsch verstehen, enttäuschen, das ist der reale Prozess, den Pärchen immer wieder durchlaufen. Und der bietet Autoren viel mehr Stoff. Monika Zeiner hat zu diesem ewigen Thema einen der schönsten Romane des vergangenen Jahres geschrieben: „Die Ordnung der Sterne über Como“. Er erhielt unter anderem den Debütpreis der Lit.Cologne. Bei Lünebuch stellte sie ihn vor, begleitet von dem Pianisten Andreas Hirche.

Denn Monika Zeiner, Jahrgang 1971, ist auch Sängerin und Texterin der Italo-Swing-Band Marinafon, dann heißt sie Mona Stinelli. Italienische Lieder drehen sich zuallererst um die unglückliche Liebe, die große Sehnsucht und um die Traurigkeit, die angesichts der Schönheit der Natur nur noch größer wird.

Drittens ist Dr. Monika Zeiner Wissenschaftlerin, sie studierte Romanistik und Theaterwissenschaft in Berlin und Neapel, promovierte über Liebe im Mittelalter, über die Bedeutung der Melancholie für den Diskurswandel in der Scuola Siciliana und im Dolce Stil Nuovo. Wenn es also darum geht, eine bittersüße Erzählung zu schreiben, die von Berlin nach Sizilien führt und sich um Beziehungen unter realexistierenden Bedingungen dreht, dann gibt es wohl niemanden, der so umfassend gerüstet ist.

Tom Holler ist Pianist, er hat schon vier Jazz-Awards gewonnen, aber seine Ehe ist keinen Cent mehr wert. Jetzt kommt die Gattin in seine verkramte Bude, um ihre Sachen abzuholen. Sie sagt „hallo“, er sagt auch „hallo“, und dann sagen sie erstmal nichts, während er herumsteht und sie wie eine Königin umhergeht, die ein Leprakrankenhaus besichtigt, ab und zu auf einen Pizzakarton tritt. Solche Szenen müssen es gewesen sein, die das Buch auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis brachten.

Es gibt auch trendige Klischees. Zum Beispiel, wenn Holler die verloschene Zigarette im Mundwinkel vergisst, wenn er  als kleine Boshaftigkeit gegen die Ex  im Stehen pinkelt, und wenn diese in ihrem schicken Berliner Loft Nudeln mit Soße serviert, das Ganze „Pasta con Pesto“ nennt.

Der Gegenentwurf zu dieser coolen Welt ist Neapel, hier arbeitet Becky, eine alte Freundin von Holler, als Anästhesistin. Sie meldet sich mal wieder bei Tom, will ihn nach Italien lotsen und sorgt dafür, dass der Jazzer neuen Groove bekommt. Aber natürlich ist das auch wieder nicht so einfach, denn nun kehrt die Erinnerung an gemeinsame Vergangenheiten zurück, und die waren nicht nur schön.

Richtig schön  also: richtig schön melancholisch  sind die Lieder, mit denen Mona Stinelli und Andreas Hirche den Abend abrundeten: wehmütige italienische Balladen der 50er- und 60er-Jahre. Das Leben und der ganze elende Rest können wundervoll sein, man muss dem Ganzen nur den nötigen Stil verleihen.