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Lyris (Susan Lachermund) in Bedrängnis: In der Oberen Ohlinger Straße werden Szenen für das Märchen-Musical gedreht. Foto: t&w
Lyris (Susan Lachermund) in Bedrängnis: In der Oberen Ohlinger Straße werden Szenen für das Märchen-Musical gedreht. Foto: t&w

Krach bei Karfunkel

ff Lüneburg. Leute mit auffallend schlechten Zähnen lungern in der Gasse herum, sie sehen auch sonst nicht gut aus: schmutzige, armselige Kleidung, im Gesicht Wunden, Narben und Geschwüre  den Bewohnern von Arkus geht es nicht gut. Die Stadt ist kalt, die Bevölkerung im Würgegriff der dämonischen Hexe Schija. Vor dem Geschäft des Juweliers Karfunkel haben sich einige Gestalten zusammengerottet, um die junge Lyris zu drangsalieren. Was hat sie hier zu suchen? Doch dann beendet ein lautes „Danke!“ die gruselige Szene.

Die Obere Ohlinger Straße vor dem Haus Nummer 3 ist der aktuelle Schauplatz für das märchenhafte Musical „Die Krone von Arkus“ von Franziska Pohlmann, die Geschichte der Straßenkinder Saraja und Jono, die ihre Stadt von Schija erlösen sollen. Gedreht wird nun eine Traumsequenz, Susan Lachermund singt und spielt die Zauberdiebin Lyris: „Muss auf der Straße wohn´ / ohne Lohn / immer schon.“ Immer wieder wird das Gerangel vor dem Geschäft Karfunkel wiederholt. Dann kommen Nahaufnahmen, nur wenige Sekunden lang, die dann später dazwischengeschnitten werden.

Passanten schauen irritiert auf die finstere Horde, bis sie Kameras, Scheinwerfer und den Mann mit dem Puschelmikrophon sehen und das Szenario erfassen. Eine Frau hat sich ein dickes Kissen vor den Bauch geschnallt. Das ist Julia Lohmann. Sie soll nicht etwa eine Hochschwangere spielen, Lohmann ist Kamerafrau, auf dem Kissen kann sie beim Drehen die Ellenbogen aufstützen. Ihr Kollege Michael Ole Nielsen hat ein kompliziertes Trägersystem angelegt, er bedient die Steadycam, die tragbare Kamera, die natürlich nicht wackeln darf.

Eine Straßensperrung gibt es nicht, der Lüneburger Alltagsbetrieb läuft nebenher weiter, aber natürlich werden Fußgänger und Radfahrer gebeten, einen kleinen Moment zu warten, wenn die Klappe geschlagen wird und die Aufnahme läuft.

Die gute alte hölzerne Filmklappe gibt es also tatsächlich immer noch. Sie trägt die Informationen, welche Szene gerade gedreht wird, vor allem aber dient sie später im Studio der Synchronisation von Bild- und Tonspur: Das Zusammenklappen und der Knall müssen gleichzeitig erfolgen. Ein aufgespanntes Segeltuch in der Straße sorgt für homogenes Tageslicht, selbst kleine Reflexe  oder etwa Spiegelungen in Karfunkels Schaufenster  können irritieren. Nicht irritiert wird die Filmcrew von den (realen) Handwerkern, die deutlich hörbar im Nachbarhaus bohren und hämmern: Die Szene wird erst später im Studio vertont, der Gesang von Susan Lachermund dient nur der Orientierung: „Keine Eltern mehr bei mir / ganz alleine steh ich hier“.

Seit 5. Februar ist das Team unterwegs, es ist sogar in Lüneburg gar nicht so einfach, stimmige Märchenkulissen zu finden  ein Stromkabel für eine TV-Schüssel kann den ganzen Zauber zerstören. Gerade wurde im Keller des Mälzer gedreht, das Kloster Lüne ist ein wichtiger Schauplatz. Ende des Monats zieht das Team dann für vier Tage in den Harz. Auch wenn es ihnen besser geht als den Bewohnern von Arkus: Alle Beteiligten, rund 150 Personen, arbeiten und spielen ohne Lohn, immer schon.