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Hallo Lüneburg! Quasselstrippe Atze Schröder sorgte im Vamos für beste Laune. Foto t & w
Hallo Lüneburg! Quasselstrippe Atze Schröder sorgte im Vamos für beste Laune. Foto t & w

Tiefergelegte Flachwitze

ff Lüneburg. So kann man sich irren. Vierzig Jahre lang hatten wir Deutsche gedacht, den Ouzo beim Griechen gäbe es umsonst. Jetzt lernen wir in der EU: Jedes Gläschen muss teuer zurückerstattet werden. Es gibt eben nichts geschenkt, weshalb auch der Mann sich beim Seitensprung heutzutage Mühe geben und ein wenig investieren muss. „Richtig fremdgehen“, davon handelt Atze Schröders neues Comedy-Programm, im Vamos stellte er es vor.

Lockenperücke, getönte Fliegerbrille, spitze Stiefel, Ruhrgebiet-Slang: Der Schauspieler, der gegen die Nennung seines Klarnamens schon mal per Gerichtsklage vorgegangen ist, gibt weiterhin den Kohlenpott-Proll. In unzähligen TV- und Bühnenauftritten ist Atze zu erleben, der Termin in Lüneburg war bereits ausverkauft, bevor er überhaupt richtig bekannt wurde. Und der Abend konnte schon als Erfolg gelten, da stand Atze noch gar nicht auf der Bühne. Er wurde schon gefeiert, als noch „Whatever You Want“ von Status Quo aus dem Off ertönte, und Roland Kaisers ,,Manchmal möchte ich schon mit Dir…“

Es scheint ihm jedenfalls weiterhin Spaß zu machen. ,,Nach zwanzig Jahren kann man mich mit Geld nicht mehr locken“, sagt Atze. Seinen legendären Porsche, der auch zum Image gehört, hat er wohl mittlerweile abbezahlt. Mitte März geht die eigentliche Tournee 2014 los, im Vamos probierte der Comedian auch neue Gags aus. Das sind natürlich alles Flachwitze, die Atze gern noch ein bisschen tiefer legt. So muss es sein, so will es sein Publikum. Und wenn die Fangmeinde aufstöhnt, weil mal wieder ein Scherz so richtig unterdisch rüberkommt, dann ist der Mann in seinem Element: „Nicht jeder Satz nimmt erst den Umweg durch mein Gehirn.“

Apropos aufstöhnen: Es geht also um „Das Eine“, um was auch sonst? Ursula von der Leyen hat jetzt 170000 Mann unter sich hat, das muss frau ihr erstmal nachmachen, das schafft nicht mal Sylvie van der Vaart. Bei der Merkel sieht die Sache anders aus, da weiß man sofort, „die hat sich nicht hochgeschlafen“.

Wenn der Mann was werden will bei den Weibern, dann muss er ein bisschen was hermachen, das haben sogar inzwischen die Fußballer kapiert. Früher durften sie rumlaufen wie Paul Breitner und Horst Hrubesch. Und heute? David Beckham und Lionel Messi, das sind schon rein optisch ganz andere Kaliber. Und während die Trainer einst aussahen wie Helmut Schön, hat sich inzwischen sogar der Kloppo vom BVB Rollrasen über die Geheimratsecken legen lassen.

Fest steht: Atze ist und bleibt ein Meister seines Fachs. Zwei Stunden netto gehen mit dieser Quasselstrippe rum wie nix, und wenn eine Pointe mal wieder in die Kategiere „Oh nee, ne?!“ fällt, dann ist der Mann schon längst bei der übernächsten. Natürlich ist er in Wahrheit nicht prollig, sondern ein präziser Beobachter. Er hat sogar ein Buch geschrieben und es auf der Buchmesse vorgestellt. „Die erste halbe Stunde lief es nicht so toll. Besser wurde es erst, als ich laut gelesen habe.“ Stöhn.