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Heute Abend geht es im Theater um Wohltätigkeit: Benefiz   Jeder rettet einen Afrikaner. Foto: tamme/theater
Heute Abend geht es im Theater um Wohltätigkeit: Benefiz  Jeder rettet einen Afrikaner. Foto: tamme/theater

Behinderte zahlen mehr

oc Lüneburg. Ob das Theater Lüneburg Menschen mit Behinderung diskriminiert, fragt sich Sönke Schüren. Der Lüneburger hat es so empfunden. Schüren ist durch eine Krebserkrankung körperlich stark behindert und auf eine Begleitung angewiesen, um am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Beim Kauf einer Theaterkarte habe er wegen seiner Behinderung eine Ermäßigung bekommen, sagt Schüren, seine Begleitperson aber habe den vollen Preis zahlen sollen. „Ich sehe nicht ein, warum ich  nur weil ich behindert bin  1,5 Eintrittskarten für eine Vorstellung kaufen soll“, sagt Schüren. Er fordert eine andere Preisgestaltung.

Die Beschwerde ist nicht die erste und sei ein weiterer Impuls, an der Regelung zu schrauben, sagt Theater-Pressesprecherin Dr. Andrea Röber. Tatsächlich besteht seit rund 20 Jahren eine Regelung, die etwas anders ist, als Schüren sie erlebt hat, aber aufs Gleiche hinausläuft: Schwerbehinderte und  beim „B“-Eintrag im Ausweis  eine Begleitperson erhalten eine Vergünstigung von je 25 Prozent. Diese Preisgestaltung gilt für die hinteren Reihen im Großen Haus. Geprüft werde zurzeit, die Regelung auf alle Plätze des Theaters auszuweiten. Diskutiert werde aber auch die grundsätzliche Situation, denn so oder so müssen Behinderte den Preis von 1,5 Karten bezahlen, wenn sie eine Begleitperson brauchen.

Bundesweit bestehe keine Einigkeit bei den Regelungen, hat Dr. Röber beobachtet. Es müsse aber auch in Lüneburg in die Richtung gehen, dass bei nachgewiesener Bedürftigkeit nur eine Karte zu bezahlen sei. Die regulären Kartenpreise liegen im Großen Haus bei Musiktheater und Ballett zwischen 16 und 23 Euro, beim Musical zwischen 22 und 29,50 Euro, beim Sprechtheater zwischen 13,50 und 20 Euro. Der Vergleich mit anderen Häusern ist kaum möglich, da die Platz- und Sichtverhältnisse sich stark unterscheiden. Eine Vergleichsgröße: Das Theater für Niedersachsen nimmt in Hildesheim für das Musiktheater 8 bis 34 Euro, für das Schauspiel 8 bis 25 Euro. Bei den unteren Preiskategorien sind aber Sichtbehinderungen einzukalkulieren.

Schwerbehinderte bekommen in Hildesheim 40 Prozent Rabatt, die Begleitperson erhält eine Freikarte. In Osnabrück zahlen Menschen mit Behinderung den halben Preis für die Theaterkarte, die Begleitperson ebenfalls, die gleiche Regelung gilt im Schlosstheater Celle. An der Staatsoper und beim Staatsschauspiel Hannover bekommen Betroffene und Begleitperson zwischen 25 und 50 Prozent Ermäßigung. Ähnliche Regelungen finden sich bei allen Theatern in Niedersachsen. Die Lüneburger Variante zählt allerdings zu den kostenintensivsten. Das Theater Lüneburg hat Sönke Schüren geschrieben, das Preisgefüge erläutert, das Prüfen weiterer Anpassungen zugesichert  und eine Ehrenkarte mitgesandt.