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So wird sich die Eingangssituation von der Heiligengeiststraße aus präsentieren. Foto: nh
So wird sich die Eingangssituation von der Heiligengeiststraße aus präsentieren. Foto: nh

Alles wird neu bei den Ostpreußen

oc Lüneburg. Er würde ja auch gern wieder mehr historische Bücher lesen, sagt Dr. Joachim Mähnert. Aber im Moment studiert der Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums vor allem Baupläne. Sie wuchern über seinen Schreibtisch, sie wachsen die Wände hoch, überlappen den Konferenztisch. Keine Frage: Die Vorarbeiten zum Um- und Ausbau des Ostpreußischen Landesmuseums laufen auf Hochdruck. Das Museum erhält einen neuen Trakt, einen neuen Eingang, eine neue Abteilung, ein kleines Café und wohl schon im April eine Baugrube.

Das Ostpreußische Landesmuseum wächst um 500 auf rund 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, nicht mitgerechnet ist dabei das Brauereimuseum. Die gesamte bestehende Ausstellung wird komplett neu ausgerichtet, hinzu kommt, wie seit Langem geplant, eine deutschbaltische Abteilung. Thematisch wird Dr. Mähnert die Geschichte weiterdrehen, das Regionale wird eine Rolle spielen, und für das Internationale strickt er an einer ganzen Reihe von Kooperationen mit den Ländern des früheren Ostpreußens. Das Haus bzw. die Geschichte Ostpreußens und des Baltikums soll einem „multiperspektivischen Ansatz“ folgen, einschließlich der Zeit seit 1989.

Künftig führt der Weg ins Museum durch einen Torbogen an der Heiligengeiststraße, also direkt vom Stadtzentrum aus und nicht mehr hinten rum durch die Ritterstraße. Besucher werden über den Innenhof in einen zweigeschossigen Neubau gelenkt. Das Foyer mit dem Kassenbereich wird verglast, über eine große Freitreppe geht es von dort nach oben zu den Sonderausstellungen, dieses Geschoss erhält einen kompakten, geschlossenen Charakter, verpackt in eine strukturierte Ziegelfassade.

Der gesamte Neubau ist so konzipiert, dass die denkmalgeschützten, bestehenden Bereiche ihren Charakter bewahren. Das Scharffsche Haus bleibt eigenständig, öffnet unten für einen Museumsladen, ein Café/Bistro und einen Lesesaal, oben sitzt die Verwaltung, kommt die Bibliothek unter. Auch vom Scharffschen Haus ist das neue Foyer, also der Eingang ins Museum, zu erreichen. Alle Bereiche sind natürlich barrierefrei konzipiert, ein Fahrstuhl hilft hinauf bzw. hinunter.

Entworfen wurde der Neubau vom Büro Sunder-Plassmann, das in Deutschland zu den führenden im Museumsbau zählt. Für die innere Gestaltung des Museums läuft zurzeit die Ausschreibung, eine Entscheidung steht bevor. Die gesamte Maßnahme beläuft sich auf 4,65 Millionen Euro.

Mit dem Baubeginn wird das Museumsleben ab Sommer Schritt um Schritt zurückgefahren. „Ich übergebe sozusagen ein gut funktionierendes Haus in die Bauphase“, sagt Dr. Mähnert und verweist auf ein Plus von 20 Prozent bei den Besuchern im Jahr 2013  auf insgesamt mehr als 30000. Es wird weniger Veranstaltungen geben, ab voraussichtlich Juni müssen erste Abteilungen für die Baumaßnahmen schließen, und ab Oktober möglicherweise das gesamte Museum. Der Neustart erfolgt dann im September 2015, allerdings fügt Dr. Mähnert hinzu: „Das sage ich noch mit Vorbehalt“.

Am Donnerstag, 6. März, stellt Dr. Mähnert, um 19 Uhr im Landesmuseum die Pläne öffentlich vor, um 19 Uhr heißt es: „Museum auf neuen Wegen“.

Am Montag, 10. März, werden die Erweiterung und Modernisierung des Museums Thema beim Bauausschuss des Rates, die Sitzung beginnt um 15 Uhr im Traubensaal des Rathauses.