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Ehrenamtliche wie Dieter Weihser (l.) und Werner Mesner unterstützen Direktorin Dr. Heike Düselder. Foto: ff
Ehrenamtliche wie Dieter Weihser (l.) und Werner Mesner unterstützen Direktorin Dr. Heike Düselder. Foto: ff

Freunde der Falter

ff Lüneburg. Schmetterlinge lieben den Lüneburger Kurpark und die Gärten drumherum  allein 130 verschiedene Arten von Nachtfaltern müssen es sein, die in dem Stadtviertel Rotes Feld umherflattern. Werner Mesner ist ihnen auf der Spur. Der Biologe arbeitet sich gerade durch eine Schmetterlingssammlung, die einst im Naturmuseum untergebracht war, jetzt zu den Beständen des Lüneburger Museums gehört und bei dessen Eröffnung Ende Oktober/Anfang November natürlich präsent sein soll. Werner Mesner ist einer von rund 35 Ehrenamtlichen, die zurzeit hinter den Kulissen die Exponate pflegen, dokumentieren, inventarisieren  und eben auch mal 1500 Schmetterlinge sortieren.

Mesner arbeitete zunächst an der Uni Göttingen, baute später eine eigene Computerfirma auf, entwickelte Software für Mediziner und lebt in Bleckede, im Ruhestand. „Jetzt kehre ich zu meinen Wurzeln zurück, ich war mit Leidenschaft Biologe.“ Leidenschaft gehört wohl tatsächlich dazu, wenn man 15 Schaukästen durcharbeitet, angefüllt mit kleinen graubraunen Faltern, die auf den ersten Blick fast alle gleich aussehen, die Farben sind längst ausgeblichen. Sie waren einst von dem Sammler nur mit dem Datum ihrer Gefangenschaft bezeichnet worden, jetzt bringt Werner Mesner die nötige wissenschaftliche Präzision in die Sammlung. Zu beobachten sind auch skurrile Veränderungen: der Birkenspinner, ursprünglich weiß mit kleinen Sprenkeln, erscheint in späteren Generationen in rußigem Grau, eine Anpassung an die Umweltverschmutzung.

Bereits im Januar 2013 hatte Dr. Heike Düselder per Aufruf ehrenamtliche Helfer gesucht, „beim ersten Treffen standen 70 Leute im Foyer“, erinnert sich die Museumsdirektorin, „ich war sprachlos“. Von der Studentin im ersten Semester bis zum 93-jährigen Marketing-Experten reichte die Menge, immerhin die Hälfte ist heute noch dabei und hat sich als verlässliche Gruppe erwiesen. Die meisten kommen ein- bis zweimal die Woche für ein paar Stunden, jeden Monat gibt es eine Gruppenbesprechung. „Die Museumsfreunde leisten für uns wirklich unbezahlbare Arbeit“, so Dr. Düselder, „und das auf allen wichtigen Gebieten.“ Auch die Nähe zum Studiengang Angewandte Kulturwissenschaften der Leuphana Universität erwies sich als hilfreich.

Mit Werner Mesner am Tisch sitzt Dieter Weihser am Laptop. Der pensionierte Kripobeamte, früher mit Mord, Totschlag und allerhand weiteren Gewaltdelikten befasst, begutachtet nun tote Käfer. Vor einigen Jahrzehnten hatte er selbst noch Käfer gesammelt, jetzt fotografiert er die Fundstücke des ehemaligen Naturmuseums und tippt Excel-Dateien in den Computer, die später einmal das schnelle Auffinden eines Eichenheldbocks, des Hirschkäfers, eines Goldglänzenden Laufkäfers oder auch des seltenen Walkers (deutsch ausgesprochen) ermöglichen sollen. Ein Bestimmungsbuch liegt bereit, „aber das“, so Weihser, „brauche ich eigentlich nur für die lateinischen Namen“. Unnötig geschwätzt wird am Tisch nicht, Werner Mesner und Dieter Weihser sind sich da einig: „Die stille Arbeit hat auch etwas wunderbar Meditatives.“