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Giftig und löcherig:  Das Dach des Lüneburger Theaters ist dringend sanierungsbedürftig  und nicht nur das Dach. Foto: t&w
Giftig und löcherig: Das Dach des Lüneburger Theaters ist dringend sanierungsbedürftig  und nicht nur das Dach. Foto: t&w

Wunsch und Notwendigkeit

oc Lüneburg. Beton platzt von der Fassade, am 17 Meter hohen Bühnenturm nagt die Korrision an der Substanz, und nun hat das Bremer Umweltinstitut auch noch giftige Schadstoffe in der Dämmung der Flachdächer gemessen. Es gibt Bedarf zur Sanierung des Lüneburger Theaters, und mit Ende der Spielzeit sollen die Probleme in Angriff genommen werden. Knapp 1,1 Millionen Euro soll es kosten, wenn denn das Geld beizeiten bereitsteht.

„Hauptanlass ist eine energetische Sanierung, die wir seit längerem planen“, sagt Verwaltungsdirektor Volker Degen-Feldmann. Dächer und Fassaden im alten Baubestand des Theaters entsprechen dem Zustand der frühen 60er-Jahre. 1961 war aus dem Globe, dem britischen Truppenkino, das Stadttheater geworden. Zwar wurde im und am Theater in den vergangenen 50 Jahren einiges gebaut und erweitert, vor allem 1995/96 zur Zeit der Intendanz von Jan Aust, aber die Grundsubstanz der alten Hülle blieb unangetastet. Entsprechend schlecht ist die Dämmung des Hauses in weiten Teilen, fern von heutigen Vorschriften.

„Flachdächer waren damals nicht unüblich“, sagt Degen-Feldmann, und Teerpappen auf ihnen eben auch nicht. Die aber enthalten PAK, Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe, die als krebserregend eingestuft werden. Das Gift entweicht nach oben, es gibt keine Belastung in den Räumen des Theaters, das haben Messungen ergeben. Trotzdem muss alles runter vom Dach, auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern. Denn würde eine neue Dämmung draufgepappt, könnten sich die Giftstoffe einen Weg nach unten suchen.

Auch das Satteldach soll erneuert werden. „Wir werden durch die Gesamtmaßnahmen in merklichem Bereich Heizkosten sparen“, sagt Degen-Feldmann, zurzeit liegen sie bei rund 130000 Euro im Jahr.

Die Schadstoffsanierung soll wie die gesamte Sanierung gegen Ende der Spielzeit beginnen, letzter Spieltag der Saison ist der 10. Juli. Um die Maßnahme zu realisieren, hofft das Theater auf Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Aus dem EFRE-Programm könnten 810000 Euro fließen, mit einem Bescheid wird im April gerechnet. Stadt und Kreis müssen als Gesellschafter des Theaters jeweils 135000 Euro zuschießen, eine entsprechende Mittelrückstellung wurde beizeiten angegangen.

Die Zeit allerdings drängt. Denn die EFRE-Mittel müssen bis zum Jahresende verbaut sein. Die zuständige N-Bank hat bereits eine Ausnahmegenehmigung zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn ausgestellt, sprich: Ausschreibungen konnten gestartet werden.

Die Sanierungsliste im Theater ist noch einige Kapitel länger: Tonregie, Bühnenboden, Beleuchtung, Garderoben der Künstler und Statisten sowie Instrumente müssen saniert bzw. professionalisiert werden. Dafür werden weitere 580000 Euro benötigt. Auch hier sollen, wenn dem stattgegeben wird, 75 Prozent aus dem EFRE-Topf kommen, ergänzend Mittel aus der Theaterförderung der Landkreis-Gemeinden und aus Rückstellungen. 2015 möchte das Theater dann die Lüftung im Zuschauerraum um eine Klimaanlage erweitern und eine neue Bestuhlung anschaffen. Kosten: rund eine Million Euro. Finanzierung: noch offen.

Die aktuellen Maßnahmen sind heute, Mittwoch, Thema beim Aufsichtsrat des Theaters und am Mittwoch, 19. März, im Wirtschaftsausschuss des Rates.