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Mimetten mit Quotenmann: Moritz Gehnen und Spielerinnen beim Warm up für die Proben. Foto: t&w
Mimetten mit Quotenmann: Moritz Gehnen und Spielerinnen beim Warm up für die Proben. Foto: t&w

Vom Kreislauf des Lebens

oc Lüneburg. Moritz Gehnen ist der Quotenmann und darf den Ton angeben. Er schlägt ein paar Akkorde ins Klavier, ein knappes Dutzend Frauen singt. Er klickt den Rekorder an, die Damen fangen an zu tanzen. Er spricht Sätze mit weiße Wäsche waschenden Wiener Waschweibern, die Ladies lesen sie ihm von den Lippen ab. Dann ist die „Warm up“-Phase vorbei, die Probe kann beginnen. Auf der Bühne des T.NT-Studios stehen die Mimetten, alle zwischen Anfang 60 und Mitte 70. Sonnabend um 20 Uhr ist Premiere für ihre neueste Produktion. Sie heißt „Das Leben ist doch immer irgendwie“ und ist ganz konkret ausverkauft.

Chefin der Produktion aber ist Sabine Bahnsen, sie ist am Theater die Frau für die Jüngsten und für die am anderen Ende des Lebens. Die Idee eines SeniorenTheaterClubs brachte sie schon beim Start der Intendanz von Hajo Fouquet im Spielplan unter. „Es lief langsam an“, sagt Bahnsen. Jetzt läuft es. Einmal die Woche treffen sie sich, jetzt in der heißen Probenphase aber täglich. Elf Frauen sind dabei, mit den Männern ist es so eine Sache, wenn man etwas von sich preisgeben soll.

Hannelore Hagemeister ist von Beginn an dabei. Sie kam von der Steuer zum Theater. Als sie in Altersteilzeit ging, suchte und fand sie ein Hobby und ist nach wie vor begeistert dabei  „mit Lampenfieber, Textvergessen und ganz viel Spaß“. Was sie besonders freut: „Wir wurden im Theater sofort integriert“. Und auch das gefällt ihr: „Frau Bahnsen lässt keinen Zickenkram zu.“ Was Spaß macht, lässt sich ernsthaft betreiben. „Wir sind die Laien, alles andere ist professionell, das ist großartig“, sagt Mitspielerin Karin Schmietendorf (70), die früher Sonderschullehrerin in Uelzen war. Schon immer habe sie gespielt, „dass es jetzt im Theater stattfindet, das hat mich einfach gereizt.“

Der Kreislauf des Lebens von Geburt über Liebeskummer und Familie bis zum Tod ist Thema der Szenen, die Sabine Bahnsen aus Erzählungen der Mimetten geformt hat. „Die Damen erzählen am liebsten eher heitere Geschichten, ich suche immer nach den anderen“, sagt die Regisseurin und Autorin. Sie hat aus dem Heiteren und dem Traurigen eine Mischung gefunden, die den Abend trägt. Er wird voraussichtlich knappe 70 Minuten dauern. Lose miteinander verbunden sind die Szenen, jede der Minetten rückt einmal in den Vordergrund, und es gibt wie bei früheren Produktionen auch Gesang. Schließlich war eine der Minetten auch mal Frontfrau einer Lüneburger Band.

Die Probe läuft an, Moritz Gehnen ist noch einmal dran. Er taucht zurzeit im Theater an allen Ecken auf, mal im Chor, jetzt hier, wo er auch zum ersten Mal bei einem Part Regie führt. Ihm geht es dabei nicht anders als den Mimetten: „Es macht unheimlich Spaß, mit den Mädels zu arbeiten.“

Weitere Aufführungen: Sonntag, 16. März, 16 Uhr, am 27. März um 20 Uhr und am 29. um 16 Uhr.