Dienstag , 27. September 2016
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Bassist Andreas Hellwig (Mitte) und Tontechniker Dirk Dechring (links daneben) diskutieren mit Band und Kursteilnehmern über den Sound. Foto: t&w
Bassist Andreas Hellwig (Mitte) und Tontechniker Dirk Dechring (links daneben) diskutieren mit Band und Kursteilnehmern über den Sound. Foto: t&w

FoH: 4-fach EQ, 6 Auxwege

ff Lüneburg. Zum Aspekt „Ton FoH: Soundcraft, Yamaha mit 32 Kanälen, 4-fach EQ mit 2-fach Mittenparametrik, 6 Auxwege (Prefade) für Monitoring und 4 Auxwege (Postfade) für Effekte.“ Wer als Bühnentechniker den Auftritt einer Band vorbereiten will, der muss schon etwas mehr können als nur Verstärker schleppen und Stromkabel legen. Neben klassischen Fächern wie Gesang, Gitarre, Gambe und Geige bietet die Lüneburger Musikschule auch Tontechnik an. Die Teilnehmer der ersten beiden Kurse setzten jetzt in die Praxis um, was sie in der Theorie gelernt hatten. Was für alle Musiker gilt, stimmt auch hier: Konzerterfahrung ist durch nichts zu ersetzen.

Das Eingangs-Zitat stammt aus dem „Technical Rider“, also gewissermaßen dem Technik-Handzettel der Lüneburger Band Achtung Baby, die sich den Songs der irischen Superband U2 verschrieben hat. Das Quartett reist normalerweise mit Licht- und Tontechniker und hat konkrete Vorstellungen, auf welchen Wegen es den Sound von Bono&Co. rüberbringt. FoH steht für „Front of House“, gemeint ist der Punkt im Zuschauerraum, an dem der Tontechniker die von der Bühne kommende Musik für das Publikum aufbereitet.

Eine junge Frau und 14 (ebenfalls meist junge) Männer meldeten sich für die ersten beiden Parallelkurse von Dirk Dechring, der als Tontechniker Konzerte von Woody Allen und Kevin Costner betreute. Am Anfang steht die Materialkunde: 20 Mikrophone sind kennenzulernen, die sich etwa besonders gut für Gesang oder für Drums eignen, im Regieraum der Musikschule geht es dann an die Digital-Mischpulte.

Dann Physik-Lehre an der Tafel: Wie verlaufen Schallwellen? Was passiert, wenn der Ton eines Musikinstruments reflektiert wird und auf mehreren Wegen beim Zuhörer eintrifft? Wie lässt sich dieser Klang-Kuddelmuddel sortieren? Als besonders schwierig abzunehmen gelten beispielsweise Konzertflügel: großer Klangkörper, also viele verschiedene Orte im Corpus, in denen die Töne erzeugt werden. 15 Abende büffeln die Kursteilnehmer, „jetzt“, so Dirk Dechring, “ sind wir im Wesentlichen mit dem Stoff durch.“

Für den ersten realen Bühneneinsatz der angehenden Tontechniker verlegte Achtung Baby zwei Probeabende in den Konzertsaal der Musikschule, ein echter Auftritt wäre dann wohl doch ein bisschen zu gewagt gewesen. Erster Schritt: Aufbau und Installation des Equipments nach den konkreten Vorgaben des Technical Riders, über rund 20 Kanäle gelangt der Sound in die Lautsprecher; zweitens: der Sound. Während Sänger Olaf Senkbeil, Carsten Stiehr (Gitarre), Andreas Hellwig (Bass) und Kai Schewe (Drums) neue U2-Songs ausprobierten, wurde am Mischpult, also FoH, gelauscht und getrickst, wurden Sinuskurven analysiert und Frequenzverläufe diskutiert.

Der Kurs richtet sich nicht nur an Rock- und Popmusiker. Lehrer und Hausmeister, die ein Konzert oder ein Theaterstück in der Aula vorbereiten wollen, stehen zuweilen vor ähnlich komplexen Aufgaben. Und auch wenn der Sound stimmt, ist das für den Tontechniker kein Grund, die Füße hochzulegen, er muss der Dynamik des Events folgen. Wenn etwa der Pianist einer Bigband ein paar besonders schöne Takte spielt  „dann“, so Dechring, „wurde das früher in der Partitur berücksichtigt, dann spielten die anderen Musiker leiser. Heute verlässt man sich darauf, dass der Tontechniker das regelt.“