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Zu Marc Veltens Lieblingsorten gehört auch weiterhin das Atelier. Hier wird täglich gemalt, auch wenn die Arbeitszeit kürzer geworden ist. Foto: ff
Zu Marc Veltens Lieblingsorten gehört auch weiterhin das Atelier. Hier wird täglich gemalt, auch wenn die Arbeitszeit kürzer geworden ist. Foto: ff

Künstlername muss sein

ff Göddingen. Für einen deutschen Maler, der nach dem Zweiten Weltkrieg seine Bilder in England und in den USA verkaufen will, gibt es ein paar sehr ungünstige Namen. „Adolf“ gehört ganz bestimmt dazu. Also beschloss der Berliner Adolf Stärk, sich Marc Velten zu nennen. Damit setzte er zugleich seiner Frau Annelen ein Denkmal, die nahe des Ortes Velten in der Mark Brandenburg geboren wurde. Heute, Sonnabend, feiert der Künstler zusammen mit seiner Familie und vermutlich vielen Besuchern in Göddingen seinen 90. Geburtstag.

Der Trick mit dem Pseudonym hat funktioniert. Bis heute sind Marc Veltens Aquarelle weltweit gefragt, und mit Annelen wurde gerade Eiserne Hochzeit gefeiert. Zur Familie gehören mittlerweile neben den Kindern Sabine und Thomas auch vier Enkel, demnächst auch der erste Urenkel. Platz ist daheim genug. Im Jahre 1972 enflohen die Veltens, nachdem die Vorfahren vier Jahrhunderte an der Spree gelebt hatten, dem Berliner Großstadtrubel, und ließen sich in einer ehemaligen Göddinger Grundschule nieder. Wo früher gebüffelt wurde, fand der Maler nun massenhaft Platz für seine Farben, Staffeleien, und wo die Schüler durch den Flur ins Freie tobten, wurde eine kleine Galerie eingerichtet, denn nun suchten Kunstinteressierte den Weg über Bleckede und Niendorf nach 21354 Göddingen.

Die Motive? „Landschaften, Blumen und Tiere“, sagt Marc Velten, er ist durch und durch Naturmaler, dafür hat er eine eigene Gouache-Technik mit Aquarellfarben entwickelt. Als Untergrund dient Japanpapier, das extra importiert wird. Früher hat er zehn bis zwölf Stunden am Tag gemalt. Noch heute geht Marc Velten jeden Tag ins Atelier, aber die Kräfte haben dann doch nachgelassen, und Aquarelle dulden keine Pause. Also sind die Formate kleiner geworden, gerade hat Annelen zehn Miniaturen rahmen lassen. Dafür ist die Pracht der Natur, der Marc Velten seine Kunst widmet, direkt vor der Haustür zu finden, auch in dem riesigen Schul-Garten, der zwischenzeitlich, dank Annelen, ein Blumenparadies war und heute eher als Park gelten kann. Das freut auch Shara, die siebenjährige Berner Sennenhündin.

Die Kulturszene beobachtet Marc Velten mit mildem Interesse. Freunde, Kinder und Kindeskinder bringen Kataloge von Ausstellungen in Berlin mit. Die Nachkommen selbst haben die Liebe zur professionellen Malerei offensichtlich nicht geerbt. Obwohl die Enkel einst in Kunst eine Eins hatten, sind sie nun Ärzte, Juristen und Ähnliches geworden. Aber damit können die Großeltern leben.