Mittwoch , 28. September 2016
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Die Geigerinnen Iris Siegfried (re.) und Angelika Bachmann mit Cellistin Sonja Lena Schmid und Pianistin Anna-Monika von Twardowski. Foto: t&w
Die Geigerinnen Iris Siegfried (re.) und Angelika Bachmann mit Cellistin Sonja Lena Schmid und Pianistin Anna-Monika von Twardowski. Foto: t&w

Anspruch und Vergnügen

oc Lüneburg. Musikalisches Wunderkind zu sein, ist kein reines Vergnügen. Um ihr überragendes musikalisches Talent ausleben zu können, wurde Angelika Bachmann sogar vom Schulbesuch befreit. Ob das nur toll ist? Sie gewann schnell, was es zu gewinnen gibt für eine junge Geigerin, war mit zarten sieben Jahren Solistin der Hamburger Symphoniker und hatte also schnell das erreicht, wofür andere ein Musikerleben brauchen. Gegen Langeweile helfen neue Anreize:

Angelika Bachmann studierte noch Philosophie und Germanstik vor allem aber hatte sie mit der Geigerin Iris Siegfried, einer Seelenverwandten seit Kinderzeiten, eine Idee. Sie gründeten Salut Salon, ein Quartett, das hochklassige Kammermusik mit Show, Witz und Ironie verbindet. Jetzt spielten sie im voll besetzten Vamos  ein toller Abend!

Iris Siegfried, das muss gesagt sein, ist mit der Musik auch nicht ausgelastet, sie arbeitet in Hamburg als Rechtsanwältin und hat dazu noch Kulturmanagement studiert. Zwei weitere einfach nur großartige Musikerinnen komplettieren das Quartett: Cellistin Sonja Lena Schmid und Pianistin Anna-Monika von Twardowski. Mittlerweile spielt Salut Salon an die 120 Konzerte im Jahr, in kleinen und großen Städten, in Deutschland und der Welt.

Die Bühne ist schwarz, elf runde Lampen hängen im Hintergrund, geben Farbstimmungen vor. „Die Nacht des Schicksals“ heißt das aktuelle Programm, und Iris Siegfried versichert, dass es auf alle Fragen, die sich rund ums Schicksal stellen, garantiert keine Antwort geben werde im Laufe der kommenden zwei Stunden. Dafür wird fantastisch musiziert, und das Quartett spielt nicht einfach Welthits herunter. Mussorgskij, Saint-Saens, Glasunow, da findet sich sehr anspruchsvolles Material, das die Vier mit Feuer, Leidenschaft und Raffinesse weiterreichen. Später wird ein Block Astor Piazzolla gewidmet, zeitweise klingen die Streicher einem Bandoneon verblüffend ähnlich. Salut Salon spielt nicht nur virtuose Hexenritte, mit Piazzollas „La Resurecciòn del Angel“ sorgen die Musikerinnen für anrührende Momente.

Zwischen dem Ernsten lassen die Vier ihren humoristischen Seiten Lauf, Angelika Bachmann packt die singende Säge aus, Anna-Monika von Twardowski greift zur Kalimba, dem afrikanischen Daumenklavier. Sie singen allein und auch hervorragend im Quartett Chansons. Spürbar gefeilt hat das Quartett mit den Jahren an den Moderationen, die sitzen fast durchweg perfekt, die Übergänge sind geschmeidig, und wenn sie mal wegen eines Lachanfalls nicht weiterkönnen, dann ist das vor allem sympathisch, ob das nun geplant kommt oder nicht. Auch die artistischen Einlagen und der Auftritt von Puppe Oskar als Quotenmann gehören zum Standardprogramm, besitzen nach wie vor Witz und lösen Szenenapplaus aus.

Salut Salon zeigt, wie sich ausgezeichnetes, niveauvolles Musizieren mit Entertainment verbinden lässt. Anders gesagt: Besser lässt sich für das Hören klassischer Musik nicht werben.