Donnerstag , 29. September 2016
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Das Stadtmuseum Penzberg präsentiert im Buchheim-Museum Bernried seinen künftigen Schwerpunkt mit Bildern aus dem in Göddingen bewahrten Nachlass von Gerhard Fietz. Foto: A
Das Stadtmuseum Penzberg präsentiert im Buchheim-Museum Bernried seinen künftigen Schwerpunkt mit Bildern aus dem in Göddingen bewahrten Nachlass von Gerhard Fietz. Foto: A

Pionier der Abstraktion

oc Göddingen/Penzberg. Das Werk des Malers Gerhard Fietz (1910-1997) bekommt eine zweite Heimstätte neben dem Gerhard-Fietz-Haus in Göddingen, wo der Künstler seinen Lebensabend verbrachte. Für das Museum Penzberg in Bayern hat ein Sammler ein 77 Bilder umfassendes Konvolut von der Treuhandstiftung Gerhard Fietz übernommen, das er dem Stadtmuseum Penzberg als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt.

Gerhard Fietz lebte von 1940 bis 1952 in Schlederloh bei Icking, einige Kilometer nördlich von Penzberg. Der Maler gehörte in der frühen Nachkriegszeit zu den Künstlern, die neue Wege der Abstraktion suchten. Fietz und Kollegen wie Willi Baumeister und Fritz Winter bildeten in München eine „Gruppe der Gegenstandslosen“, die sich in „ZEN 49“ umbenannte und großen Einfluss auf die Kunst der Zeit erlangte. Das Stadtmuseum Penzberg zeigte bereits 2009 eine Retrospektive zu Gerhard Fietz und setzte damit einen Kontrakpunkt in die Region, die sonst als Land der expressionistischen „Blauen Reiter“ gilt. Einer der „Blauen Reiter“, Heinrich Campendonk, ist mit einer großen Sammlung im Penzberger Museum vertreten.

Die Kunst von Gerhard Fietz wird dort ab 2015 einen zweiten Schwerpunkt setzen. Zurzeit wird das Haus saniert und um einen Anbau erweitert. Das Konvolut von Fietz-Bildern wird im Depot des nahe gelegenen Buchheim-Museums in Bernried am Starnberger See zwischengelagert, eine Auswahl wird dort noch bis voraussichtlich Ende April gezeigt, sagt Gisela Geiger vom Stadtmuseum Penzberg; und: „Ich bin sehr dankbar, dass wir einen Mäzen gefunden haben und wirklich froh, die Bilder sind so schön, man sieht ihre Qualität jetzt in den großen Räumen.“

Das Stadtmuseum Penzberg wird im September 2015 neu eröffnet, dann mit einem Gerhard-Fietz-Schwerpunkt. Die enge Zusammenarbeit mit dem Fietz-Haus in Göddingen und der Sparkassenstiftung Lüneburg, die treuhänderisch das Fietz-Werk betreut, werde weitere Fietz-Präsentationen in Penzberg ermöglichen, sagt Gisela Geiger.

Anne Fietz, die in Göddingen lebende Witwe des Künstlers, sagt zwar, es sei ihr nicht leicht gefallen, die Bilder weiterzugeben, aber sie bekämen in Penzberg eine würdige Bleibe und die vorausgehende Ausstellung im Buchheim-Museum sei für sie ein wirklich großes Erlebnis gewesen.

Im Göddinger Fietz-Haus wird es vom 5. April bis 27. Juli wieder eine Ausstellung geben. Gezeigt werden die Russland-Fotos und -Zeichnungen von Gerhard Fietz, dazu Gemälde aus späteren Jahren, in denen die Kriegserfahrung erneut zum Tragen kam. Eingerichtet wird die Ausstellung vom Maler Manfred Besser, der sich seit vielen Jahren für das Fietz-Haus engagiert.