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Regisseur Jaspar Brandis setzt im T.3 Clyde (Sebastian Prasse, links) und Bonnie (Claudia Grottke) in Szene.
Regisseur Jaspar Brandis setzt im T.3 Clyde (Sebastian Prasse, links) und Bonnie (Claudia Grottke) in Szene.

Banken sind für Überfälle da

ff Lüneburg. Werner ist  erstens  heftig verliebt und  zweitens  wild entschlossen, aus dem Dasein den größtmöglichen Thrill herauszuholen. Weil seine Freundin Bonnie heißt, nennt er sich natürlich Clyde. Zu zweit sind sie unschlagbar. Sie werden das Establishment aufmischen, den Biedermännern zeigen, was eine Harke ist, und ihre fetten Konten plündern. Wozu sind schließlich Banken da, wenn nicht für einen geilen Überfall? Von diesem sauberen Gaunerpärchen erzählt Holger Schobers Duo-Drama „Clyde & Bonnie“, es feiert am Dienstag, 25. März, um 20 Uhr Premiere im Lüneburger Theater (T.3).

Claudia Grottke und Sebastian Prasse spielen die beiden jungen Hitzköpfe, die aus  nun, sagen wir: problematischen  Elternhäusern stammen, keine Lust haben auf Tristesse, auf Plattenbau und Fließbandmaloche oder gleich auf ein Leben mit Hartz IV. Von glühender Liebe befeuert, von Wut auf die satte Gesellschaft und von der Gier nach Geld und schnellen Autos getrieben, brechen sie  schwer bewaffnet  aus dem Elend aus. Alles oder Nichts, Sekt oder Selters, das ist die Devise, das Leben ist kurz. Das kann nicht gutgehen, und es geht auch nicht gut.

Dies alles klingt wie ein zweitklassiger Film, und genauso ist das Drama angekündigt: als B-Movie. Bonnie und Werner haben eindeutig zu viele Hollywood-Filme mit Humphrey Bogart gesehen. Zynische Kommentare, Coolness bis zum Showdown, das ist der Stoff, aus dem sie ihre kriminelle Energie schöpfen. Und natürlich haben sie für jede Situation das passende Film-Zitat parat.

Die Vorbilder heißen Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow. Während der Weltwirtschaftskrise überfielen sie in den USA Lebensmittelgeschäfte, Tankstellen und kleinere Banken in der Provinz und ermordeten vierzehn Menschen. Am 23. Mai 1934 wurden sie in eine Falle gelockt und von jeweils rund 50 Kugeln getroffen. Da waren sie gerade 23 bzw. 25 Jahre alt. Die Abenteuer dieses legendären Gangsterpärchens sind vielfach nacherzählt, auf die Leinwand und auf die Bühne gebracht worden.

Nun also „Clyde & Bonnie“. Jaspar Brandis hat das 2008 uraufgeführte Stück auf eine knackige Stunde verdichtet, angesprochen sind Zuschauer ab 14 Jahren. Der Regisseur verspricht „große Gefühle und keine Botschaft“. Jaspar Brandis, 1971 in New York geboren, ist auch so jemand, der gern mal den Kurs wechselt. Er studierte Jura in Hamburg, engagierte sich bei amnesty international, hospitierte im Hamburger Schauspielhaus und gelangte über Assistenzen endgültig zum Theater  nicht ohne „nebenher“ das Erste Staatsexamen zu absolvieren. Nach Engagements in Belgien und vielen kleinen und großen Inszenierungen bundesweit ist „Clyde & Bonnie“ seine erste Lüneburger Arbeit.

Zum Thema passt eine Kinopremiere: Nächste Woche startet der Film „Banklady“. Er erzählt die wahre Geschichte eines jungen Pärchens, das in den 60er-Jahren rund um Hamburg insgesamt 19 Banken ausraubte. Die beiden heirateten im Knast.