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Beate Weidenhammer und Gregor Müller spielen das Liebespaar, dem ein trauriges Ende bevorsteht.
Beate Weidenhammer und Gregor Müller spielen das Liebespaar, dem ein trauriges Ende bevorsteht.

Vom Sterben und vom Küssen

oc Lüneburg. Reden wir übers Sterben. „Clavigo“, Goethe, ein Trauerspiel. Clavigo, der Schreiber, wird den Abend nicht überleben. Auch nicht Marie, die er liebt und verlässt und doch so sehr liebt und noch einmal verlässt. Sie seufzt sich zu Grabe, er bekommt einen Degen in die Brust. Und greift an ihrem Sarg noch ihre kalte Hand. So schaurig gehts bei Goethe zu, bei seinem zweiten Bühnenstück. Den Sarg gibt es wohl nicht in Mark Zurmühles Inszenierung von „Clavigo“, die am Freitag, 28. März, um 20 Uhr Premiere hat im Theater Lüneburg. Aber lebend kommen sie natürlich nicht raus, Clavigo und Marie.

Gregor Müller spielt Clavigo: „Das ist einer, der total leicht zu begeistern, schnell lenkbar ist. Da ist bei ihm nichts als die Liebe, wenn Marie da ist. Da ist dann wieder allein der berufliche Erfolg, wenn er ihm deutlich gemacht wird. Clavigo ist wie im Rausch, das andere ist jeweils weg, ohne dass es wirklich weg ist.“ Clavigo liebt Marie, aber sie bzw. ihre Herkunft steht seiner Karriere bei Hofe im Weg.

Beate Weidenhammer spielt die Marie. „Goethe-Frauen haben immer die Opferrollen, siechen dahin. Wie überträgt man das heute glaubwürdig? Sie trifft, so zeigen wir das, schon eine bewusste Entscheidung. Sie weiß, es geht nicht zusammen. Sie ist eigentlich realistisch, auch wenn es sicher immer noch so etwas wie Hoffnung gibt.“ Marie wird fast laufend auf der Bühne sein. Die Figur gewinnt an Format in Mark Zurmühles Sicht auf das Trauerspiel, das Goethe 1774 in wenigen Tagen niederschrieb. Zurmühle ist zurzeit der Klassik-Mann am Theater, er hat schon Schillers „Kabale und Liebe“ für Lüneburg inszeniert.

Reden wir übers Küssen. Denn vor dem Sterben geht es ja ums Lieben. „Liebe ist immer echt“, sagt Gregor Müller. Das Küssen auf der Bühne ist allerdings kein leichtes Thema. „Ist das okay so?“ fragt Gregor Müller. „Ja“, sagt Beate Weidenhammer. Küssen kann man eben auch beruflich, aber passen muss es schon. Schweigen wir übers Küssen.

Reden wir übers Politische. Das ist immer da. Auch bei Clavigo und Marie. „Es sind auch schon die gesellschaftlichen Fäden, in denen sie hängen, die sie umbringen“, meint Gregor Müller. Carlos, der eigennützig seinen Freund Clavigo zur Karriere um jeden Preis drängt, gehört dazu. Und Beaumarchais, der die Ehre der Schwester rächen will. Heiner Junghans, der das Theater am Ende der Spielzeit verlässt, spielt den Carlos, Fabian Kloiber den Beaumarchais. Ulrike Gronow ist dabei, als Sophie, und als Buenco noch Thorsten Dara, auch für ihn neigt sich die Lüneburg-Zeit dem Ende zu.

Fürs Bühnenbild sorgt Eleonore Bircher, für die Kostüme Ilka Kops, für Musik Jan Exner. Alle kommen vom Deutschen Theater Göttingen  wie der Regisseur, dessen Intendanz dort im Sommer ausläuft.