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Bela B. auf Solopfaden, neben ihm Country/RocknRoll-Frau Peta Devlin.
Bela B. auf Solopfaden, neben ihm Country/RocknRoll-Frau Peta Devlin.

Manchmal, aber nur manchmal

oc Lüneburg. Bis zur großen Tour im Mai mit dann neuem Solo-Album müsse sich der Herr Felsenheimer noch ein bisschen in Form bringen, meint der Sänger, Gitarrist und Drummer Bela B. Der Mann spricht über sich selbst und wird denn wohl einige Joggingrunden in den kommenden Wochen drehen. Die musikalische Fitness immerhin ist schon ganz gut. Das zeigte Bela B., der mit seiner Band Die Ärzte jedes Stadion der Republik füllt  diesmal auf Solopfaden vor gut 200 Leuten im Vamos. Ein Arzt allein, das ist eben was anderes als das Dreierpack.

Ärzte-Kollege Rodrigo Gonzalez füllte mit seiner 60er-Jahre-Südamerika-Beat-Combo Más Shake wiederholt den Lüneburger Nolte-Saal. Dorthin hätte Bela B. mit seiner Band wohl besser gepasst als in das an diesem Abend zu große Vamos, das zum Glück per Vorhang teilbar ist. Retro wie Rodrigos ist Belas Musik, die er mit den Country-Freunden Smokestack Lightnin und „Cow“-Girl Peta Devlin spielt. Retro heißt, ein bisschen Peter Kraus, eine ganze Menge Johnny Cash, hier Rockabilly, RocknRoll und Twist, da Country, Beat und Verwandtes. Das Ganze wird lässig bis trashig präsentiert, es ist ja auch das erste Konzert 2014, das sie spielen.

Die Smokestacks starten den Abend mit Glen Campbells Schnulze „Gentle Of My Mind“. Es geht also geruhsam los, und so ganz aufregend wird es denn auch nicht werden. Spaß macht´s schon. Bela B. erscheint als Cowboy-Verschnitt im Fransenhemd, zum Ende hin wird er sich einen riesigen Sombrero überstülpen und aus einem ebenso überdimensionierten Holster eine Gitarre als Knarre ziehen, um das finstere „Buenos Tardes, Amigo“ (von Ween) zu zelebrieren. Doch zuerst singt er „Abserviert“, die Vorauskoppelung aus seinem Album „bye“, er wird „Sentimental“, packt einen „Bausparvertrag“ aus und schiebt zwischendurch ein ernstes Lied über den Tod ein. Der Mann, der Abend ist nicht über einen Kamm zu scheren.

Pflegt Bela B. seine tiefe, angeknarzte Cash-Stimme, so bringt Peta Devlin schlanken, klaren RocknRoll-Klang in den Abend, das passt sich gut einander an. Die Stimmung im Saal ist durchweg verhalten freundlich, ansatzweise begeistert, was Bela B. in ironischen Kommentaren aufgreift. Es fliegt auch mal ein Stofftier auf die Bühne, es wurde sogar eine kleine Absperrung vor die Bühne gebaut. Man weiß ja nie. Nichts muss perfekt sein an diesem Abend, und wer Die Ärzte und ihren Partypunk vermisst, der bzw. die bekommt eine ver­twistete Fassung von „Manchmal, aber nur manchmal...“