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Treffen der Theater-Manager: (v.l.) Wolfgang Rothe (Dresden), Volker Degen-Feldmann (Lüneburg) und Matthias Köhn (Osnabrück).
Treffen der Theater-Manager: (v.l.) Wolfgang Rothe (Dresden), Volker Degen-Feldmann (Lüneburg) und Matthias Köhn (Osnabrück).

Wir setzen das Fundament

oc Lüneburg. Sie nennen sich Kaufmännischer Geschäftsführer wie Wolfgang Rothe von der Semperoper. Bei Matthias Köhn ist die Bezeichnung aufgespalten in Kaufmännischer Direktor und Geschäftsführer, er kommt von den Städtischen Bühnen Osnabrück. Gastgeber Volker Degen-Feldmann vom Theater Lüneburg ist schlicht Verwaltungsdirektor. Was sie verbindet, beschreibt Wolfgang Rothe: „Wir setzen das Fundament, die stabile Grundplatte, auf der das Künstlerische aufbauen kann.“ Und weil nichts so ist, dass es nicht besser sein könnte, treffen sich Verwaltungschefs von kleinen und großen Bühnen Jahr um Jahr  nun zum ersten Mal in Lüneburg. Sie reden über Geld ­ aber nicht nur.

60 Punkte arbeiteten mehr als 20 Vertreter von Theatern beim Treffen im Behördenzentrum ab. Was allen Bühnen ähnlich zu schaffen macht, sind immer aufs Neue die Tarifsteigerungen. Besonders dann, wenn die Steigerung von Löhnen und Gehältern nicht per Vertrag zwischen Ländern und Bühnen ausgeglichen wird. Daran kranken die kommunalen Theater in Niedersachsen, da über mehrere Jahre die Zuschüsse seitens des Landes eingefroren wurden. Der aktuelle, 2014 auslaufende Vertrag hat die Sperre aufgehoben, aber Altlasten bauen sich wie eine wachsende Bugwelle vor den Theatern auf.

„So etwas ist ein Faktor für eine Erosion, an deren Ende die Schließung einer Sparte oder sogar eines Theaters stehen könnte“, warnt Rothe, der in Dresden zurzeit andere Sorgen hat. Es gibt Stress wegen eines ver- und wieder entpflichteten Intendanten. In Niedersachsen aber kämpfen die kommunalen Theater bei den Verhandlungen mit dem Land darum, sich auftürmende Defizite ausgleichen zu können. In Lüneburg stünde mittelfristig ein Horrordefizit von 800000 Euro im Etat, da muss gegengesteuert werden. Aber wie? Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat eine Summe von vier Millionen Euro genannt, mit denen den acht kommunalen Bühnen geholfen wäre. Matthias Köhn sagt, dass die Problematik vom Land erkannt sei. Eine Erhöhung sei bei einem ersten Gespräch in Hannover nicht von vornherein ausgeschlossen worden.

Beim Treffen der Verwaltungsdirektoren geht es vor allem um den Austausch, in diesem Jahr zum Beispiel um Fragen von Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement. „Es ist immer ein Kollege dabei, der bei einem Thema weiter ist“, sagt Volker Degen-Feldmann. „Von dem kann man lernen, zumal die Belastungen überall steigen, weil überall bei sinkendem Personalstamm mehr Besucher und mehr Vorstellungen erwartet werden. Wir müssen sehen, wie wir die Arbeitskraft erhalten können“, fügt Rothe hinzu.

Begleitet wird der Austausch von Vorträgen, die beispielhafte Entwicklungen aufzeigen. Als Konzept für nachhaltige Kulturförderung stellte Carsten Junge als Geschäftsführer die Arbeit der Sparkassenstiftung Lüneburg vor. Über die Kooperation zwischen der Leuphana Universität und dem Theater referierten Dr. Andreas Heinen (Leuphana) und Chefdramaturg Friedrich von Mansberg. Mit „Carmina Burana“ und „Struwwelpeter“ bekamen die Theatervertreter aus Aalen und Augsburg, Koblenz und Konstanz sowie vielen anderen Städten auch zu sehen, was ein kleines Haus alles leisten kann.