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Comedian Klaus Bäuerle zeigte sich im Kulturforum in Bestform, spielte drei  höchst unterschiedliche  Männertypen in schnellem Wechsel
Comedian Klaus Bäuerle zeigte sich im Kulturforum in Bestform, spielte drei  höchst unterschiedliche  Männertypen in schnellem Wechsel

Begegnung im Kloster

hjr Lüneburg. Ohne Anstrengung schafft er gleich drei seiner Spezies. Notwendig, denn es gibt ungezählte Mirakel zu lüften, Botschaften zu verkünden, Rezepte zu formulieren. Klaus Bäuerle kann das, schaut tief in die Seele der geplagten Artgenossen und findet stets die passende Antwort für jede in der Luft liegende Frage. „Das Geheimnis glücklicher Männer“ heißt das jüngste Programm des Kabarett-Solos „Maul & Clownseuche“ und erwies sich, den Lachern nach zu urteilen, auch für Frauen als höchst aufschlussreich:

Ein wilder Ritt durch Bodybuilding, Schokolade und Anti-Aging-Cremes für den gereiften Herrn. Im gut besuchten Kulturforum Gut Wienebüttel folgte das enthusiasmierte Publikum gespannt der vorösterlichen Suche nach dem adäquaten Muntermacher für maskuline Zeitgenossen. Horst ist Pharma-Manager auf der Suche nach einer nebenwirkungsresistenten Glückspille, vernarrt in Autos und besonders witzig, wenn es unter die Gürtellinie geht. Olli dagegen liebt Lars und Lara parallel, spricht total relaxt, geriert sich entsprechend cool und hiphopt sich unbedarft durchs Leben. Hans verdingt sich als akademisch geschulter Buchautor, steht noch in fortgeschrittenen Jahren unter Muttis Fuchtel, verklausuliert selbst simpelste Inhalte und überschreitet nur mit Mühe emotionale Grenzen, die jenseits von Jugendfreiheit liegen.

Drei Typen, drei Klischees, drei Männer unterschiedlichster Milieus und Coleurs, die Klaus Bäuerle süffisant und sehr markant aus der Schablone spielt. Das macht er mit Wonne, verleiht jeder Figur ein klares Image, individuellen Sprachduktus und herrlich signifikante Gesten. Der reichlich verhuschte Hans, Olli auf dem Egotrip und Horst als ganzer Kerl vertreten alles, was den Gegenwartsdeutschen mit Y-Chromosom aus dem Stand rockt.

Im Kloster begegnet sich das Trio. Dort steht Selbsterfahrung auf dem Plan, eine Tagesagenda zwischen Yoga und Jammertiraden, Analyse von Eitel- und Befindlichkeiten, breitem Erfahrungsaustausch und zwischendurch wird ein homöopathischer Hildegard-von-Bingen-Tee geschlürft. Trotz der massiven Gegensätze schmieden sich hinter den Mauern zwischen den drei Gästen feste Bande, die an Bünde erinnern.

„Das Geheimnis glücklicher Männer“ balanciert geschickt durch Untiefen alberner Plänkeleien, deftiger Zoten, diffuser Sehnsüchte, philosophischer Diskurse, Bratwurst und Tofu-Burger, testosterongesteuerten Bedürfnissen und kodierter Glücksformel. Klaus Bäuerle führt die Ebenen gnadenlos zusammen, breitet ein Netz aus, in dem sich männliche Eigenschaften brennglasartig offenbaren. Der Kabarettist liebt Ausflüge ins Intellektuelle ebenso wie Abstecher ins schlüpfrig Profane. Das hebt ihn aus dem Durchschnitt bundesrepublikanischer Comedy-Realität deutlich heraus und garantiert erfrischende Innensichten auf die Nachfahren germanischer Jäger anno 2014. Die Zuschauer genossen den Spaß und applaudierten kräftig.