Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Ruth Fiedler singt den Sopran-Part.
Ruth Fiedler singt den Sopran-Part.

Erinnerung an Johann Hertel

ff Lüneburg. Die Passionskantate „Der sterbende Heiland“ von Johann Wilhelm Hertel wurde am Karfreitag des Jahres 1764 in Schwerin uraufgeführt. Genau 250 Jahre später steht das Werk jetzt in St. Johannis Lüneburg auf dem Programm: An Karfreitag, 18. April, 20 Uhr, dirigiert Kantor Joachim Vogelsänger das Passionsoratorium für Soli, Chor und Orchester. Es singt der St. Johannis Motettenchor, begleitet von dem Ensemble Concerto Brandenburg. Als Solisten sind Ruth Fiedler (Sopran), Christian Rathgeber (Tenor) und Christoph Hülsmann (Bass) zu hören.

Eröffnet wird das Passionskonzert von Wolfgang Amadeus Mozarts „Kyrie d-Moll“. Um das Werk ranken sich einige Rätsel, die Originalhandschrift ist verschollen, das Entstehungsdatum unklar. Vermutlich hat es Mozart zwischen November 1780 und März 1781 geschrieben  es ist die einzige Kirchenmusik, für die der Komponist Klarinetten einsetzte. Daheim in Salzburg standen ihm allerdings keine Instrumentalisten zur Verfügung, dafür aber in München, wo 1781 Idomeneo aufgeführt wurde, ebenfalls mit Klarinettenbesetzung. Daher wird das Werk heute „Münchner Kyrie“ genannt.

Es folgt eine Komposition seines hierzulande erheblich weniger bekannten Zeitgenossen Joseph Martin Kraus (1756-1792): „Symphonie funèbre c-Moll“. Kraus 1756 in Miltenberg geboren, 1792 in Stockholm gestorben, war Kapellmeister am Hof des schwedischen Königs Gustav III. und Direktor der Königlich Schwedischen Musikakademie. Die Symphonie funèbre (also: Bestattungs-Sinfonie) wurde Gustav III. gewidmet, der 1792 einem Attentat zum Opfer fiel. Kraus, schwer an Tuberkulose erkrankt, starb kurz darauf. Er wird auch der „Odenwälder Mozart“ genannt  wohl, weil seine Lebensdaten mit denen seines Kollegen fast identisch sind.

Das Hauptwerk des Abends stammt ebenfalls von einem vergleichsweise unbekannten Komponisten: Johann Wilhelm Hertel, geboren 1727 in Eisenach, gestorben 1789 in Schwerin, kam 1754 zunächst als Konzertmeister, dann als „Hof- und Capell-Compositeur“ nach Mecklenburg-Schwerin. Unter Herzog Christian Ludwig II. schrieb Hertel insbesondere repräsentative Instrumentalmusik, unter dessen Nachfolger Friedrich (genannt „der Fromme“) verlagerte sich der Schwerpunkt seines Schaffens auf geistliche Musik.

Der Kompositionsauftrag für den „Heiland“ erging im Jahre 1763, die Texte stammen von Ludwigs Privatsekretär Johann Friedrich Löwen, der mit Hertel eng befreundet war. Die Kantate ist geprägt von bewusst schlicht gesetzten Chorälen wie von sorgfältig gesetzten Chorfugen. Als bemerkenswert gilt heute vor allem die Verbindung barocker Tonmalerei unter strenger Berücksichtung der Kontrapunkt-Technik, zugleich ist die Harmonik unkonventionell und impulsiv.