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Winzige Wesen bevölkern das Heine-Haus - unter anderem dieser Beobachter und Tausende Ameisen: Die Ausstellung Ankabuts Welt öffnet am Freitag.
Winzige Wesen bevölkern das Heine-Haus - unter anderem dieser Beobachter und Tausende Ameisen: Die Ausstellung Ankabuts Welt öffnet am Freitag.

Ameisen erobern das Heine-Haus

ff Lüneburg. Auf einer Sympathie-Scala von eins bis zehn würde die Ameise (lat.: Formicida) wohl bestenfalls bei drei oder vier landen. Sie gilt als die „Polizei des Waldes“, als solche wird sie vielleicht noch geschätzt. Aber wenn sie in größerer Zahl bei uns zu Hause auftaucht, ist es auch damit sehr schnell vorbei. Im Lüneburger Heinrich-Heine-Haus krabbeln sie derzeit aus der Steckdose und erobern einen ganzen Saal  nicht etwa wild durcheinander, sondern in geschlossener Formation vorrückend. Das ist „Ankabutas Welt“.

So heißt die aktuelle Ausstellung, die heute, Freitag, um 18.30 Uhr eröffnet wird. Ankabuta (arabisch für Spinne) wurde 1980 als Songie Seuk in Südkorea geboren. Sie studierte an der Chung-Ang Universität und im Anschluss daran an der Kunsthochschule Kassel mit dem Schwerpunkt Freie Kunst. Heute lebt und arbeitet sie in Wiesbaden.

Das also ist die äußere Welt. In ihrer inneren Welt begibt sich Ankabuta auf Expeditionen zu winzigen Wesen, denen sie Größe gibt. Im Fall der Ameise ist es zunächst ihre Zahl, sie hat ihre Geschöpfe aus Draht, Folie und Farbe einmal gezählt; Ergebnis: 15291, Stand von 2011. Zunächst ging es um die Verletzlichkeit der Insekten. Wir Menschen können kaum verhindern, sie beim Waldspaziergang platt zu treten. Hohe Verluste erlitten die Menschen-Völker in Asien bei den Tsunamis der letzten Jahre. So entwickelte die Koreanerin die Ameise als symbolhafte Skulptur. Bei einer Performance wollte Ankabuta ihre kleinen Legionen zertreten  „aber dann wurde ich gebeten, meine Installation einfach so stehen zu lassen“.

Wäre ja auch wirklich schade darum gewesen. Und so erobert sich Ankabuta mit ihren Insekten Galerien und Museen, 2008 siegte die Künstlerin in München in dem Kunstwettbewerb „FemeFeuerFanatismus“ mit der Installation „Ameisen, ein Massenphänomen“.

Im Heine-Haus zitieren die Ameisen in ihrer Krabbel-Ordnung die Arabesken an Wand und Decke der Galerie. Ankabuta reagiert auf die Ausstellungsräume. Besucher sollten sich genau umsehen, es gibt einige Miniaturen (nicht nur Ameisen) zu entdecken, die schon durch ihren oft karikaturenhaften Charme großen Raum beanspruchen. Das Winzige und das Witzige liegen eng beisammen. Ihr Spiel mit Mini- und Maxi-Format zieht sich durch die Präsentation, ganz hinten sind dann großflächige Porträts zu entdecken, die Angehörige der Künstlerin zeigen. Es gibt ein Video zu sehen, in denen nun kleine Sternchen eine Rolle spielen, generell erscheint Songie Seuk als Künstlerin, die sich in vielen Techniken ausprobiert. Übrigens soll ein Draht-Modell des Heine-Hauses Teil von Ankabutas Installations-Arbeit in Darmstadt werden.

„Ankabutas Welt“ in der Regie des Kunstvereins Lüneburg ist bis 11. Mai (mi. 10-14, sbd./so. 11-16 Uhr) zu sehen.