Aktuell
Home | Kultur Lokal | Kunstwerken auf der Spur
Was soll das heißen? Sonja Jamme, Dr. Heike Düselder und Christoph Reinders-Düselder entziffern eine Handschrift. Rolf Erbguth fotografiert das rätselhafte Gemälde.
Was soll das heißen? Sonja Jamme, Dr. Heike Düselder und Christoph Reinders-Düselder entziffern eine Handschrift. Rolf Erbguth fotografiert das rätselhafte Gemälde.

Kunstwerken auf der Spur

ff Lüneburg. Es mögen 500 Bilder sein, vielleicht auch mehr als 800: Wie viele Gemälde, Graphiken und Zeichnungen besitzt das Lüneburger Museum? Niemand weiß es so genau, denn es gibt keine zuverlässigen Verzeichnisse, keine Übersicht, keine wirkliche Ordnung. Bisher lagerten die Kunstwerke unter eher suboptimalen klimatischen und konservatorischen Bedingungen im Krügerbau  Straßenszenen neben repräsentativen Porträts, Zeichnungen neben Kupferstichen, Romantik neben Impressionismus. Aber mit dem Durcheinander ist jetzt bald Schluss.

„Was soll denn das nun wieder heißen? Könnten wir bitte mal eine Lupe haben?“ Mitglieder des Museumsvereins und Angehörige der Museumsfreunde haben die ehrenamtliche Aufgabe übernommen, die Kunstwerke mit dem Pinsel oberflächlich zu reinigen, zu fotografieren, zu katalogisieren und zu verpacken. Sie sollen im Museums-Außenlager in Oedeme untergebracht werden. Jetzt stehen drei Personen um ein Gemälde und stoßen fast mit der Nase an den Rahmen  aber die Aufschrift, die Auskunft über den Künstler geben könnte, ist einfach zu klein. Also macht sich Dr. Ulfert Tschirner, im Museum Kurator für Kulturgeschichte, auf den Weg, eine Lupe zu holen.

Nebenan hat sein Kollege Rolf Erbguth einen Fotoapparat in Stellung gebracht. Fotografieren geht recht zügig, Recto und Verso, also Vorder- und Rückseite der Arbeiten, aber auch hier gibt es Rätsel: Das Porträt zeigt eine junge Frau, laut Zettelchen auf der Rückseite müsste das Else von Borcke sein, die Ehefrau von F.R.J. v. Dassel; auch die Lebensdaten stehen dabei: 1895 bis 1956. Der Maler hat sein Werk nicht signiert, aber es gibt eine weitere Jahreszahl: 1903. Dann aber wäre die Dame auf dem Bild gerade erst acht Jahre alt  unmöglich, sie wirkt deutlich älter.

Im Außenlager Oedeme werden die Kunstwerke zwar, den Regalsystemen angepasst, nach Größe sortiert, dank durchlaufender Nummerierung können die Museumsmitarbeiter dann aber vom Büro aus endlich jedes Bild sofort ordern, für Themen-Sonderausstellungen beispielsweise.

Fragen nach der Provinienz, nach Herkunft, Werdegang und Motiven gibt es genug, vieles wird nur nach und nach zu klären sein. Zu den bekannten Vertretern zählt der Künstler Hermann Schulz: Er malte 1934 einen Blick auf die Reichenbachstraße  es ist das einzige (bekannte) Gemälde, auf dem die Lüneburger Synagoge zu sehen ist. Die 1894 am Schifferwall eingeweihte große Synagoge wurde 1938 zum Abbruch verkauft. Seit 1955 erinnert ein Gedenkstein an den Standort. „Dieses Bild“, so Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder, „werden wir dann auch ausstellen.“