Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Oh Baby Baby, das macht Spaß
Leif Scheele macht den Rocker, das gefällt den Ladies gut, sie werden gespielt von (v.l.) Dobrinka Kojnova-Biermann, Elke Tauber und Isabel Arlt.
Leif Scheele macht den Rocker, das gefällt den Ladies gut, sie werden gespielt von (v.l.) Dobrinka Kojnova-Biermann, Elke Tauber und Isabel Arlt.

Oh Baby Baby, das macht Spaß

Von H-M. Koch

Lüneburg. Bevor es losgeht, kontrolliert Wachtmeister Kensbock, den Knüppel zur Hand, Sitte, Ordnung und Eintrittskarten. Es ist gleich acht. Der diensthabende Polizist, das ist Kensbock im Wechsel mit Kollege Petersen, schaltet nun die Bühnenüberwachungsanlage ein, jedenfalls zur Premiere. Video läuft, Licht aus, Show ab! „Halbstark“ heißt sie, und  „oh Baby Baby“  sie macht eine Menge Spaß im T.NT des Theaters. Revue-Fachfrau Britta Haarmann führt ihr Team in eine Milchbar zwischen Tresen, Jukebox und Vollplastiksitzen. Hinten thront, wie einst Ringo, Gary Whiton an den Trommeln. Er hat dem Team die Musik maßgeschneidert, das zahlt sich aus.

„Halbstark“, das ist ein kleiner, durch Coverversionen im Ohr gebliebener Hit der Bremer Yankees aus den frühen 60ern. In diese Zeit führt die Show, als junge Leute die Jeans entdeckten, den Petticoat, das Küssen und den RocknRoll. Da gibt´s für den Wachtmeister allerhand zum Aufpassen, aber was solls, er muss mit und wird zum Twisten genötigt.

Es muss eine Menge Spaß bereitet haben, Songs und ­ mit Hilfe von Frauke Ollmann und Kay Horsinka  Kostüme auszuwählen. Das Publikum kennt die Schlager von „Rote Lippen soll man küssen“ über „Schuld war nur der Bossa Nova“ bis zur Zugabe „California Dreamin“. Es wird mitgeklatscht, und natürlich „dam, dam  dam, dam“ mitgesungen, wenn in diesem Fall nicht Marmor, Stein und Eisen bricht, sondern Seide und Perlon, aber festes Nylon nicht. Denn das war der letzte Schrei: „Nylon Stretch“ samt Wettkampf um die Krone der Beinkönigin. Wer von den singenden und messenden Backfischen auf der Bühne gewonnen hat, das verraten sie nicht.

Vorn auf der Bühne brüllt „Bild“, Schlagzeilen liefern eine Art roten Faden durch die Show. Gespiegelt wird in der Revue mit viel Ironie und noch mehr purem Spaß das Lebensgefühl einer jungen, lebenshungrigen Generation, die gegen den Muff der Nachkriegszeit und moralisch verknöcherte, hilflose Eltern aufbegehrte. Die Ideale kamen aus den USA, mit Cola, RocknRoll und fortschreitender Rockverkürzung. Britta Haarmann, Gary Whiton und Choreograph Thomas Pfeffer haben die Songs treffend aufbereitet, auch die Überleitungen passen. Dass einmal ein Motorroller (KTM Pony de Luxe) aus dem Jahr 1961 auf die kleine Bühne rollt, wird mit Extra-Applaus belohnt.

Das Team kommt recht gut und dann immer besser in Fahrt. Sie alle singen sich regelrecht frei in den gut 100 Minuten. Gary Whitons Arrangements sind den zum Teil klassisch ausgebildeten Stimmen angepasst.

Neu in der Revue-erprobten Truppe ist als Hahn im Korb Leif Scheele. Er war mehrfach beim Lüneburger Theater zur weiten Welt zu sehen, nun bringt er seine gewaltige Spiellust als Pseudorocker ein, der balzt und schmollt und eine grandiose Elvis-Nummer hinlegt: „Are You Lonesome Tonight?“ Die Frauen sind bekannt. Elke Tauber ist ideal als quirlige, unbekümmert fröhliche, auch mal burschikose blonde Biene, Dobrinka Kojnova-Biermann singt beeindruckend die melancholischeren Lieder wie „Bésame mucho“, und Isabel Arlt findet einen treffenden Weg zwischen naiv und kess. Dazu kommt als gute Seele am Tresen  und mit Querflöte!  Astrid Gerken.

Die Mädels beherrschen die spitzen Hysterie-Schreie, die gabs eben zu Zeiten von Elvis und Beatles auch schon. Gary Whiton an den Drums grinst sich da gelegentlich eins, er greift wie die Band wiederholt ins Geschehen ein. Wolfgang Wierzyk (Tasten), Mark-Alexander Hertzer (Gitarre) und Sebastian Brand (Bass) komplettieren die Band, die mit allen zusammen einen vergnüglichen und lang gefeierten Abend garantiert. „Halbstark“ ist ganz schön stark und steht am 3. Mai wieder auf dem Plan.