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Barbara Westphal (li.) und Karin Marquardt mit Westphals titelgebender Doppel-Skulptur In Verbundenheit; im Hintergrund eines der großformatigen Marquardt-Bilder.
Barbara Westphal (li.) und Karin Marquardt mit Westphals titelgebender Doppel-Skulptur In Verbundenheit; im Hintergrund eines der großformatigen Marquardt-Bilder.

Notwendigkeitund Freude

oc Hitzacker. Sie sind Künstlerinnen, kennen sich sehr lange und sind doch grundverschieden. Spricht Karin Marquardt von ihrer Kunst, dann fällt bald der Begriff „Notwendigkeit“. Barbara Westphal setzt an die erste Stelle ihres Schaffens die Freude am Gestalten. „In Verbundenheit“ befinden sich die Malerin aus Oerzen und die Bildhauerin aus Strachau jetzt im Oktogon des Kunstvereins Hitzacker. So ist ihre bis zum 11. Mai laufende Ausstellung überschrieben.

Das Oktogon ist ein spannender, aber nicht leicht zu bespielender Raum. Von 1964 bis 2006 diente der achteckige Bau als katholische Kirche, nach der Entweihung übernahm Peter Wieczorek das Gebäude, das mit seiner Architektur und den bemalten Fenstern seine Herkunft nicht leugnet. Der Lichteinfall und die grün gestrichenen Wände lassen den Skulpturen ihre Wirkung, Malerei muss sich gegen den Raum behaupten. „Man muss sich danach richten“, sagt Karin Marquardt, sie hat viele zeichnerische Arbeiten mitgebracht, aber auch einige ihrer großformatigen Acryl-Arbeiten.

Beide Künstlerinnen sind durch die Arbeit beim Bund Bildender Künstler verbunden. Beide wohnen relativ abgeschieden auf dem Lande, wo sie in großer Ruhe ihrem Schaffen nachgehen können.

Karin Marquardt hat in den vergangenen Jahren eine serielle, gegenstandsfreie, gleichwohl spirituell geprägte Form des Bildschaffens entwickelt. Ihre Bilder, oft Linie und Punkt, sind im Fluss, jedes Bild funktioniert als eine Art Ausschnitt aus etwas Unbegrenztem, aus einem Kosmos eigener Art. „Von Haus aus bin ich eine Zeichnerin, eine Untersucherin, eine Beobachterin“, sagt Karin Marquardt. Sie spricht auch von der „Wiedergabe einer Realität, eben einer abstrakten“. Das können Lineaturen sein, kettenähnliche Verbindungen, bei der Malerei monochrome Flächen. Objekte baut Karin Marquardt auch, sie besitzen durchaus etwas Spielerisches. Dass sie gelegentlich an tibetische Gebetsmühlen erinnern, führt zu den spirituellen Prinzipien, aus denen heraus die gesamte Kunst Karin Marquardts entsteht.

„In Verbundenheit“ hat Barbara Westphal passend zum Ausstellungstitel zwei Figuren aus Kalksandtstein genannt. Sie umkreisen als Mutter und Tochter das Thema des Sich-Öffnens. Barbara Westphal befasst sich seit vielen Jahren mit Büsten, Köpfen und Torsi. Es reizt sie, auch in dem Abgeschlagenen, den zurückgebliebenen Brocken eines größeren Steins noch etwas zu finden: „Was kann ich darin sehen, was kann ich rausholen, was ist nachvollziehbar?“ Das führt zu verspielten Figuren und Köpfen, die archaisch wirken können, sich in einen „Flügelkopf“ verwandeln oder zu einer schreitenden Mantelhülle werden. Entscheidend sei, „dass es stimmt“, und Humor ist dabei erlaubt. Ausschlaggebend bleibt allein die ästhetische Sicherheit, mit der die Künstlerin ihr Thema ausformuliert. Arbeiten aus Holz und Metall, die Figur betreffend oder ins Abstrakte reichend, ergänzen die Werkschau.

Die von Wolfgang Albrecht eröffnete Ausstellung im Oktogon, Am Landgraben 1, kann mittwochs, sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden.