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Jon Flemming Olsen beim Tourfinale in Lüneburg. Foto: t&w
Jon Flemming Olsen beim Tourfinale in Lüneburg. Foto: t&w

Musik mit Wohlfühleffekt

hjr Lüneburg. Welch ein Talent: Er gestaltet CD-Cover für Udo Lindenberg oder Max Raabe, schreibt Bücher mit Titeln wie „Meine Reise ins Herz der Imbissbude“ oder „In 16 Tagen um die Wurst“, moderiert Quizsendungen, spielt seit einem Jahrzehnt in der bepreisten Fast-Food-Fernsehcomedy „Dittsche“ den Kneipenwirt Ingo, sang für Deutschland beim Grand Prix und leitet nun seine eigene Band. Mit der tourte er durch die Republik, Endstation Lüneburg: Jon Flemming Olsen, ein Allrounder der Extraklasse. „Immer wieder weiter“ überschrieb er sein Programm mit deutschsprachiger Musik. In der nur mäßig besuchten Ritterakademie sorgte er samt Band für frisch-fröhlichen Sound.

Die Songs des Quartetts mit Flemming in der Mitte klingen bevorzugt nach Country. Doch der angejahrte Tonfall präsentiert sich nie abgestanden, obwohl manch ein betagter Evergreen aus den 70er-Jahren Pate stand. Alte Schlager erhalten bei Olsen ein knackiges Anti-Aging-Lifting und dazu neue Texte. Die kleine Akustik-Besetzung entschlackt vertraute Melodien, auf diese Weise gelingt ein belebender Anstrich. Das garantiert bestes Hörvergnügen und lässt die Zuhörer im Rhythmus mitschaukeln.

Feinster Pop mit etwas Folk-Feeling springt aus den Saiten der Instrumente. Das sind unter anderem Westerngitarre, Mandoline, Banjo, Kontrabass oder Ukulele, die bei den Musikern fingerartistisch ausgezeichnet zur Geltung kommen, ohne auf dröhnendes Phon-Gewummer angewiesen zu sein. Jon Flemming Olsen und seine drei Mitstreiter wirken dabei authentisch, unprätentiös und sind leidenschaftlich bei der Sache. Das zündet auf Anhieb, beeindruckt das Publikum. Keine Spur vom anrüchig biederen Charme deutscher Schlagermusik, die ansonsten landauf- und ab durch den Äther dudelt.

Olsen und seine mitreißende Band bespielen häufig die Hits von einst, außerdem gibt es zahlreiche eigene Lieder. Stilistisch bleiben sie bei den ausgelegten Leisten. Die Texte fordern Aufmerksamkeit, beweisen Qualität und bringen verschiedene Alltagsthemen auf den Kern. „Soll ich bleiben oder gehen“, „Karl-Heinz Schmidt“ oder „Jenseits der Meere“ heißen die Stücke vielsagend. Die Plots finden sie auf der Straße oder zum Beispiel im Hotel wie in „Halt mich nochmal“: ein Beitrag über die nächtliche Einsamkeit in Luxusherbergen. Das geht gelegentlich in Richtung Chanson, gerät immer dann besonders gut, wenn der Countrysound dampft oder eine Ballade sacht im Walzer-Takt tänzelt.

Vorwiegend heiter war der Tenor im Konzert, driftete aber nie ins Flachwasser des musikalisch Banalen  ein anregender Spaß mit Wohlfühleffekt und Mitmachoption. Die Besucher fuhren entspannt nach Hause, die Band zelebrierte beim Lüneburger Gastspiel ihr ebenso stressfreies Tournee-Finale. Langer, kräftiger Applaus verlangte Zugaben.