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Nezih Seckin wechselt im Sommer von Lüneburg nach Ankara. Foto: t&w
Nezih Seckin wechselt im Sommer von Lüneburg nach Ankara. Foto: t&w

Ein Abschiedskonzert

hjr Lüneburg. Ankara wartet. In der türkischen Hauptstadt wird Nezih Seckin ab kommender Spielzeit als Chefdirigent des Staatsopernorchesters künftig den Ton angeben. Keine leichte Aufgabe, denn der Ministerpräsident gilt nicht unbedingt als aktiver Kunstförderer. Insofern steht hinter der Zukunft dieser Institution ein Fragezeichen. Vor dem Wechsel steht der Abschied. Letztmalig betreute Seckin die Lüneburger Symphoniker bei einem Meisterkonzert. Überwiegend Raritäten standen im Theater Lüneburg auf dem Programm, das die Instrumentalisten mit Disziplin und musikantischem Vergnügen gestalteten. Als kompetente Solistin glänzte Mezzosopranistin Kristin Darragh.

„Die Henne“ ist Joseph Haydns Symphonie Nr. 83 überschrieben. Die vier meist flotten Sätze gehören zur Pariser Serie, gebärden sich galant, aber nie zu süffig oder elegant und sprengten den damals üblichen Klangrahmen, unter anderem durch überraschende Dissonanzen. Das Orchester schwelgte im Bad der Kontraste, garantierte einen geschliffenen Vortrag, der die Partitur-Finessen ausleuchtete. Nezih Seckin am Pult beschwor energisch zupackenden Gestus im Wechsel mit weich getupften Phasen.

Unverkennbar spanisch koloriert ist Manuel de Fallas Ballett „El Amor Brujo“, das in Lüneburg konzertant zur Aufführung gelangte. Die stark andalusische Färbung leuchtet vor allem in den schnellen, manchmal geradezu wilden Passagen. Kristin Darragh besitzt für diese Musik exakt die richtige Stimme, sie verströmt Leidenschaft, Dynamik, Auftrumpfen und kitzelt geschickt die Elemente des herben Canto Jonde heraus. Auch die Symphoniker ließen sich von dem expressiven Duktus mitreißen.

Enrique Granados fußt in seinen Werken ebenfalls auf folk­loristischen Zutaten, die subtil in ein sinfonisches Gerüst einfließen. „La Maja Dolorosa“ lag bei Kristin Darragh in allerbesten Händen. Sie erwies sich erneut als hochklassige Sängerin, die dem kurzen Werk markanten Ausdruck verlieh. Das bestätigte sie im temperamentvoll, wiederum iberisch inspirierten „Canto Negro“ des Katalaniers Xavier Montsalvatge. Seckin sorgte für eine sehr homogene Deutung, die mit Hingabe gespielt wurde.

Die Sinfonietta von Francis Poulenc von 1947 bildete den Schlusspunkt. Ein wiederum selten zu hörendes Werk, das Nezih Seckin mit deutlichen Zeichen vitalisierte. Die reichlich melodienselige Partitur schwankt zwischen verschlungenem Misterioso- und heiterem Buffo-Ton. Die Symphoniker bewegten sich auf dem Klangboden souverän, folgten den Anweisungen des Dirigenten mit Punktlandung.

Langer, herzlicher Beifall und wahre Applausbrandungen dankten dem seit 2003 in Lüneburg amtierenden 1. Kappellmeister.