Mittwoch , 28. September 2016
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Proben mit den Comeback-Tänzern für Bolero: (v.l.) Thomas Pfeffer, Kerstin Kessel, Oliver Hennes, Evangelina Kukuschkina, Olaf Schmidt und Christina Wojtasik. Foto: t&w
Proben mit den Comeback-Tänzern für Bolero: (v.l.) Thomas Pfeffer, Kerstin Kessel, Oliver Hennes, Evangelina Kukuschkina, Olaf Schmidt und Christina Wojtasik. Foto: t&w

Sie tanzen wieder an

oc Lüneburg. Es ist im Spielplan der Ort, an dem früher „Ballettstudio“ stand. Getanzt wird auf der großen Bühne des Theaters, das Publikum sucht sich im Saal seinen Platz. Das ist auch in diesem Jahr so, aber der Abend hat einen bzw. drei Namen: „Stairway to Paradise  Tango  Bolero“. Das sind drei Choreographien von Olaf Schmidt, die erste ist neu, die anderen recycelt der Ballettdirektor. Das Interesse an dieser Produktion ist schon jetzt sehr groß, und das Comeback von einigen, die über Jahre das Tanzgeschehen in Lüneburg mitprägten, wird für weitere Aufmerksamkeit sorgen.

An seinem „Stairway“-Projekt tüftelt Schmidt noch. Er wird Menschen in einem Treppenhaus zusammenbringen. Darin kommt es wie im wahren Leben zu meist anonymen Begegnungen, aber es geht auch anders. Es wird romantische Annäherungen geben, ebenso brutale Ausbrüche. Musik von Arvo Pärt und Max Richter wird die Produktion untermalen. „Stairway“ wird, so Schmidt, der modernste Teil des dreiteiligen Abends.

„Tango“ und „Bolero“ sind erprobte Stücke, die Schmidt bereits 1998 herausbrachte und jetzt auf seine Lüneburger Truppe zuschneidet. Olaf Schmidt hat in Buenos Aires den argentinischen Tango kennengelernt, nutzt für seine Sicht aber vor allem die Musik Astor Piazzollas. Schmidt greift die Melancholie und die Rhythmen auf, übersetzt sie aber in seine eigene tänzerische Sprache und wird auch daran erinnern, dass der Tango in seinem Ursprung eine Angelegenheit von Männern war.

„Bolero“ schließlich führt in einen Tanzsaal, zu einer Art Ball der einsamen Herzen, „es treffen die skurrilsten Figuren aufeinander“, sagt der Choreograph. Ravels immer heftiger kreisender „Bolero“ treibt die Menschen in ein „fulminantes Finale“, sagt Schmidt. Dass die Musik mit Erotik zu tun hat, dürfte dabei deutlich werden.

Olaf Schmidt wird bei „Bolero“ selbst mittanzen, dazu holt er Künstler auf die Bühne, die heute ihren Platz vorrangig hinter den Kulissen haben: Christina Wojtasik betreibt längst eine eigene Ballettschule, Kerstin Kessel ist Trainingsleiterin des Theater-Balletts. Oliver Hennes ist vorwiegend als Regie-Assistent und Regisseur aktiv, und „Comeback“-Profi Thomas Pfeffer ist im Theater ebenfalls als Regie-Assistent unterwegs, aber auch zwischen Soufflage und Choreographie präsent.

Die Premiere des Ballettabends steigt am Sonnabend, 31. Mai, um 20 Uhr. Bereits am Sonntag, 25. Mai, lädt Ballettdirektor Olaf Schmidt um 11 Uhr zu einer Ballettmatinee ins Große Haus. Er wird Hintergründe zu den Choreographien erläutern, über Musik, Dramaturgie und Ausstattung sprechen. Das Ensemble wird Ausschnitte tanzen, weitgehend in Rohform, also ohne Kostüm, Maske und Technik. Als Moderator wirkt Chefdramaturg Friedrich von Mansberg mit. Der Eintritt zur Matinee ist frei, um Spenden wird gebeten.