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Gleich geht´s los: Thorsten Dara (vorn) hat irische Texte mitgebracht und Guinness aufgetischt. Auf die Lesung freuen sich mit ihren Gästen die Hausbesitzer Uschi (li.) und Winfried Marx. Foto: t&w
Gleich geht´s los: Thorsten Dara (vorn) hat irische Texte mitgebracht und Guinness aufgetischt. Auf die Lesung freuen sich mit ihren Gästen die Hausbesitzer Uschi (li.) und Winfried Marx. Foto: t&w

Irischer Abend in Klein-Algier

oc Lüneburg. An einem Abend im Jahr bespielt das Theater Lüneburg nicht nur das Große Haus, das T.NT und das T.3, sondern auch alte Villen, historische Altstadthäuser, große Dielen und Ateliers, und in diesem Jahr ging es sogar nach Klein-Algier. Einmal im Jahr nämlich lautet das Motto „Wir lesen in Ihren Häusern“, und dazu ziehen Schauspieler aus, um in privatem Rahmen Lieblingsliteratur aufzublättern. In Klein-Algier, heute die Straße Vor dem Roten Tor, ging es irisch zu. Was wiederum an Thorsten Dara lag.

Klein-Algier hieß das ab 1877 bebaute Gelände vermutlich, weil dorthin einige Menschen zogen, die zuvor in der Fremdenlegion aktiv waren. Sogar das heute am Eingang der Straße stehende Restaurant und Hotel wurde 1886 als Lebensmittelgeschäft und Gaststätte „Zum Algier“ gegründet. Tiefer in der Straße leben Uschi und Winfried Marx, sie sind seit der ersten Runde der Lesereihe als Gastgeber dabei. „Wir ehren damit auch ein wenig meine Mutter Carola, die eine große Freundin des Lüneburger Theaters und auch im Freundeskreis des Theaters als Mitglied aktiv war“, sagt Winfried Marx. Er hat für die Lesung ein bisschen die Geschichte des 1905 gebauten Hauses recherchiert und stieß dabei auf die Klein-Algier-Geschichte.

Dass es an diesem Abend irisch zuging im Hause Marx, das lag also an dem Schauspieler Thorsten Dara. Er hatte ein paar Flaschen Guinness mitgebracht und vor allem einen Text von Flann OBrien (1911-1966), dessen Werk in Deutschland durch die Übersetzungen Harry Rowohlts wieder in Erinnerung gerufen wurden. Daras Liebe zu Irland liegt in seiner Familiengeschichte begründet, die ein wenig kompliziert ist, aber möglicherweise zu irischen Wurzeln führt. Dara jedenfalls bereist das Land seit 15 Jahren regelmäßig.

„Wir lesen in Ihren Häusern“ brachte andernorts Begegnungen mit Max Frisch und Peter Bichsel, Loriot, Christine Brückner und vielen anderen Autoren. Sogar rund um den mehr oder weniger weltmeisterlichen Fußball drehte sich ein Programm, das Fabian Kloiber in der Barckhausenstraße ins Rollen brachte. Lesende für jeweils rund 50 Minuten vor zehn bis 15 Gästen waren außer den Genannten Britta Focht, Ulrike Gronow, Claudia Grottke, Matthias Herrmann, Heiner Junghans, Sigrid Meßner, Gregor Müller, Philip Richert und Beate Weidenhammer. Zum Finale kamen Schauspieler, Gastgeber und Gäste in der Krone zusammen  und bekamen eine Zugabe: Szenen aus der aktuellen Produktion „Wir, Carmen“ mit Kristin Darragh, begleitet von Hye-Yeon Kim.

„Wir lesen in Ihren Häusern“ ist ein charmantes Format, das ein bisschen wie ein Geheimtipp funktioniert und darum immer attraktiver wird. Dramaturgin Katja Stoppa, die mit der Organisation erhebliche Arbeit leistet, freut sich über die von Jahr zu Jahr wachsende Resonanz. Die Kronendiele war schon zu klein, um alle Teilnehmer zu fassen. Für Runde fünf im kommenden Jahr hat Katja Stoppa auch schon einige Ideen.