Mittwoch , 28. September 2016
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Hoch hinaus ging es gestern für die Glocken, die lange in der Eingangshalle des Museums lagerten. Foto: t&w
Hoch hinaus ging es gestern für die Glocken, die lange in der Eingangshalle des Museums lagerten. Foto: t&w

Glocken schweben übers Dach

oc Lüneburg. „Der Ton dieser alten Glocke hat nichts Liebliches, ist aber von einer gewissen Feierlichkeit und majestätischen Kraft.“ Das schrieb Lüneburgs großer Glockenkenner Hermann Wrede vor 110 Jahren über die Marktglocke, die 1385 gegossen wurde, vermutlich für St. Johannis gedacht war, sich als Fehlguss erwies und in den Rathausturm kam. Bis 1956: Da wurde sie zum 1000. Geburtstag der Stadt vom lieblichen Glockenspiel aus Meißener Porzellan in Rente bzw. ins Museum geschickt. Am Dienstag, 3. Juni, ging die 28 Zentner schwere Marktglocke mit jüngeren und kleineren Kolleginnen noch einmal auf eine kleine Reise  raus aus dem Foyer des Museums an der Wandrahmstraße, über das Dach in den Innenhof. Dort werden künftig vier Glocken zum Besuch bitten.

Mit auf die Reise gingen zwei kleinere Glocken, die Cord Fribusch goss, der um 1440 nach Lüneburg zog, hier um 1475 starb. Eine stammt aus dem Jahr 1468 und aus dem Nikolaihof Bardowick. Die zweite, gegossen 1473 und 14 Zentner schwer, hing in Blücher bei Boizenburg, dem Stammsitz der gleichnamigen Adelsfamilie. Die Glocke zersprang beim Einläuten des Ostergottesdienstes 1908 und verlor ihren Klang. Sie sollte für eine neue Glocke eingeschmolzen werden, wurde aber geschweißt und kam per feierlichem Umzug ins Lüneburger Museum, wofür besagter Glocken-Wrede sorgte. Ostern 1911 hatte sie einen neuen Klöppel für „einen feierlich klingenden Festgruß“.

Glocke Nummer vier stammt aus dem Kloster Lüne, wurde mutmaßlich 1498 in Salzhausen gegossen. Sie verlor ihren Klang, als sie am 3. August 1901 ein Trauergeläut anstimmte. Es galt der Kaiserin Friedrich, wie sich Victoria von Sachsen-Coburg und Gotha zum Angedenken ihres Mannes Friedrich III. nach seinen Tod nannte. 1932 kam die Glocke ins Museum.

Die große Marktglocke wird angeschrägt im neu gestalteten Innenhof aufgestellt, für die anderen hat der Bildhauer Klaus Großkopf silbern glänzende, stählerne Gerüste entworfen, in denen sie künftig hängen werden. Die ganze Aktion wurde, worüber sich Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder freut, von der Firma Manzke gesponsert.